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Ausgehend von der Untersuchung von Sigmund Freuds Prosa , hat sich Walter Schönau seit Jahren mit den Methoden und der Reichweite psychoanalytischer Textinterpretation beschäftigt. Seine Einführung in die psychoanalytische Literaturwissenschaft faßt nun die Fortschritte und Ergebnisse der letzten Jahrzehnte überblicksartig zusammen. Die Entwicklung dieser an den Hochschulen lange stiefmütterlich behandelten Disziplin stellt er sowohl systematisch als auch historisch dar. Den systematischen Teil gliedert er in drei Kapitel, denn: »Literatur funktioniert in drei verschiedenen Prozessen: Im kreativen Prozeß wird die geschaffen, entsteht sie als ein ästhetisches »Produkt«, das im rezeptiven Prozeß vom Leser oder Hörer aufgenommen wird, im interpretativen Prozeß wird sie rubriziert, reflektiert und analysiert« (S. 28). Daraus folgt, daß er sich zuerst psychoanalytischen Kreativitätstheorien und Formfragen zuwendet, dann zu Rezeptionsfragen überleitet, wie sie in Freuds Witztheorie und von dem amerikanischen Kritiker Norman Holland formuliert wurden, um schließlich die möglichen Interpretationsakzente (Autor-, Werk- oder Leser-orientiert) vorzustellen. Im zweiten, historischen Teil gibt Schönau einen überblick zur Geschichte der psychoanalytischen Literaturwissenschaft (einschließlich der mythisch-archetypischen Richtung), die er noch weiter in eine deutsche, französische und englischsprachige untergliedert. Kurze, biographisch-lexikalische Exkurse bietet er zu über zwanzig fremdsprachigen, literaturpsychoanalytisch orientierten Autoren wie Jean Starobinski, Marthe Robert, Jacques Lacan, Julia Kristeva, Lionell Trilling, Ernst Kris und Norman Holland. Der historische Rückblick läßt Entwicklungslinien aufscheinen, die »von der Psychologie oder Psychopathologie des Autors zu der Psychologie des Lesers, von der Produktionsästhetik zur Rezeptionsästhetik, von der psychobiographischen Erklärung des Werks zur Gegenübertragungsanalyse des Lesers, von der Deutung des latenten Inh