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Den großen Weltproblemen an der Schwelle zum dritten Jahrtausend nach Christus - zunehmende Vergiftung unserer Umwelt, zunehmende Ungleichheit zwischen reichen und armen Ländern, Bedrohung durch Überrüstung - stellen sich
Psychoanalytiker nicht häufig. Originell und mutig erscheint daher Renggli Entwurf, die genannten Weltprobleme, das Auftreten von Seuchen wie der Pest im Mittelalter und AIDS heute sowie die Geschichte der Mutter-Kind-Beziehung aus psychoanalytischer Sicht zu verknüpfen. Der erste Satz der Einleitung: »Ich habe dieses Buch geschrieben in tiefer Sorge um die Welt von heute« bleibt Leitmotiv für ein engagiertes Plädoyer weg von Spaltung und Unterdrückung hin zu mehr Liebe und Menschlichkeit. Der hohe Anspruch des ersten Satzes kontrastiert aber auch immer wieder mit undialektischer und wenig wissenschaftlicher Apologetik, was ärgerlich macht, eben vor allem dann, wenn man diese Aussagen am Leitmotiv mißt.
Gleich zu Beginn betont Renggli, daß er sich einem ganzheitlichen psychosomatischen Denken verpflichtet weiß und dies auch auf gesellschaftliche Zusammenhänge anwendet. Einerseits stellt er sich hiermit klar einer objektivistischen, spalterischen Wissenschaftspraxis entgegen, andererseits bezieht er sich nicht auf die entsprechende Diskussion in der psychoanalytischen Bewegung, die sich in den Ansätzen Groddecks und Fromms andeuten. Freud selbst scheint als Beleg für ganzheitliches Verständnis wenig geeignet, Detlefsen mit seiner Nähe zur Esoterik noch weniger.
Prägnant führt Renggli in die mittelalterliche Geschichte wie auch in die Psychoanalyse ein, wobei er vor allem die psychoanalytische Beschäftigung mit dem frühen Säuglingsalter, die Beziehung zwischen Mutter und Kind, die frühe Pathologie schildert. Das Hauptinteresse gilt der Entstehung psychotischer Phänomene, der Spaltung, des Autismus.
Renggli beginnt dann, wie er sagt, den Versuch, Geschichte und Psychoanalyse miteinander zu verbinden und damit Neuland zu betreten (S. 64). Sigmund Freuds