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Wolfgang Mertens hat in den letzten Jahren eine Reihe von Büchern veröffentlicht. Als einer von wenigen Psychologen in Deutschland beschäftigt er sich mit der Psychoanalyse. Und das kompetent. Die dreibändige Einführung in die psychoanalytische Therapie, in der schwierige Sachverhalte in bester angloamerikanischer Tradition so einfach wie möglich erklärt werden, zeigte das unlängst aufs beste. Viele Beispiele, aber auch prägnante kulturhistorische Einschübe fördern den Lesefluß im Kompendium. Der Wissenschaftlichkeit schadet der flüssige Stil auf keinen Fall. Im Gegenteil: Mertens schreibt für Fachpublikum und interessierte Laien gleichermaßen. Eine Fähigkeit, die man manch anderem Autor, nicht nur auf psychologischer Seite, wünscht.
Stichwort Abstinenz: Mertens erklärt zunächst das heutige Verständnis - Abstinenz auf Seiten des Analytikers. Dann geht er zur ursprünglichen Auffassung über - die Aufforderung an den Klienten, während des Verlaufs der Analyse auf Ersatzbefriedigungen zu verzichten -, um dann wieder den Bogen zum aktuellen Verstädnis zu finden. Freud hatte bekanntlich empfohlen, mit der Kühle eines Chirurgen und der Opakheit eines Spiegels ans Werk zu gehen. Oft mißverstanden, meinte er »damit im wesentlichen aber eine Einstellung, die versucht, die Äußerungen eines Patienten aus dessen Verstädnis heraus einzufühlen« (S. 1). Vor allem sollte sich der analytische Therapeut jeden pädaßogischen Eingriffs enthalten. Über die Kontrolle der Gegenübertragung gelingt das am besten. Mertens macht zu Recht darauf aufmerksam, daß in der Gegenwart »die Forderung nach sexueller Abstinenz des Analytikers besonders betont worden« (S. 1) ist, dabei aber andere nicht so leicht erkennbare Formen der Nicht-Abstinenz gern übersehen werden: der Mißbrauch des Analysanden zur narzißtischen Befriedigung oder zum Weitergeben eigener unerledigter Aufgaben zum Beispiel. Er ist der Ansicht, daß es - im Gegensatz zu der puristischen, in den vierziger Jahren in Nordamerika entstanden