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Psychic retreats - Rückzüge der Seele nennt John Steiner ein Repertoire von Reaktionsweisen, wie es vorübergehend bei Neurotikern oder Normalen auftreten kann, wie es vor allem aber in der Analyse von Borderline-Patienten und Psychotikern in Erscheinung tritt. Es ist eine Art des Sich-Verkapselns oder Verbergens
in einer unbewußten Phantasiewelt, die als mächtiger Schutz gegenüber Ängsten und schmerzlichen Erfahrungen dient, die aber eine solche Macht über den Patienten gewinnen kann, daß Teile seines Selbst versklavt werden, jede Entwicklung zum Stillstand kommt und der lebendige Kontakt mit der Wirklichkeit verlorengeht. Steiner hat solche Rückzüge vor allem in der Analyse von Borderline-Patienten beobachtet, deren Behandlung zu stagnieren drohte oder in einer Weise pervertiert zu werden schien, daß sie ihrerseits der Aufrechterhaltung eines pathologischen Gleichgewichts diente. Steiners Interesse ist es dabei, die Funktion solcher Rückzüge genauer zu beschreiben und Wege zu ihrer Bearbeitung aufzuzeigen.
Wie bei anderen kleinianischen Autoren fasziniert auch bei Steiner das Wechselspiel zwischen Konkretheit in der klinischen Beschreibung und Abstraktheit in der theoretischen Reflexion. Dies setzt ihn in die Lage, seine theoretischen Überlegungen mit einer Leichtigkeit aus der Analyse des klinischen Materials zu gewinnen, welche auch die Hörer seiner Seminare an der Tavistock Clinic immer wieder beeindruckt. Und so bleibt die Hauptabsicht des Buches letztlich eine klinische, wenngleich sich die darin erarbeiteten theoretischen Positionen als überaus fruchtbar und innovativ erweisen dürften.
Psychic retreats - das sind Zustände von Rückzug und Stagnation, wie sie aus der Analyse von narzißtischen, schizoiden und perversen Strukturen wohlbekannt sind. Was ihre weniger auffälligen Manifestationen schwer erkennbar macht, ist der Umstand, daß der Analytiker auf eine kaum merkliche Weise in sie einbezogen wird. Wenn der analytische Prozeß vorübergehend zum Stillstand ko