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Mutter und Vater zu werden, das war einstmals, lang ist's her, Bestandteil der gesellschaftlichen Konvention, ja der Norm. Heute ist zumindest in den westlichen Wohlstandsgesellschaften eine Frage der Wahl daraus geworden, und oft genug besteht die Wahl in einer Abwahl, aus welchen Gründen auch immer. Das Elterndasein versteht sich nicht mehr einfach nur von selbst. Um so mehr rückt es ins Blickfeld der Reflexion.
Es muß in der gegenwärtigen Gesellschaft konkurrieren mit anderen Lebensprojekten. Selbst die Ehe oder sonst eine Lebensgemeinschaft meint nicht mehr automatisch, auch Kinder zu kriegen. Es ist eher ein Luxus, den man sich leistet, eine Dummheit, zu der man sich bekennt. Aus der Konkurrenzsituation mit anderen vielversprechenden Lebensmöglichkeiten resultiert in der Tat ein grundlegend veränderter Maßstab, der an die Elternschaft von vielen bewußt oder unbewußt angelegt wird. Auf diese Situation und ihre Fragen versucht Dieter Thomä in seinem Buch zu antworten: »Ob Elternschaft als eine vielversprechende Möglichkeit, sein Leben zuzubringen, gelten darf« - ob man sich auch mit Kindern »ausleben« kann oder ob man nur eine dumpfe Pflicht erfüllt.