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In der Erforschung der psychischen Folgen des Holocaust stand in den letzten Jahren die in der zweiten und dritten Generation fortwirkende Traumatisierung im Vordergrund. Die Beschäftigung mit den Folgewirkungen der erfahrenen Traumatisierung bei den überlebenden im engeren Sinne gab Anlaß, ein differenzierteres Bild von ihnen zu entwickeln. Begriffe wie »Überlebensschuld« und »Survivor-Syndrome« wurden als pathologisierend und als Ausdruck von fehlendem Einfühlungsvermögen zurückgewiesen. Die trotz der Vernichtungserfahrung aufrechterhaltenen lebensbejahenden Fähigkeiten der Überlebenden wurden stärker berücksichtigt. Mit dem Älterwerden wurde für die Überlebenden als psychische Notwendigkeit erkennbar, einen Zustand relativer Versöhnung mit ihrem Leben einschließlich des erfahrenen Leides zu erreichen.
Das vorliegende Buch setzt einen weiteren Akzent. Die Frage wird aufgeworfen, wie Menschen, auf deren Lebensgeschichte die Massenvernichtung keinen unmittelbaren Einfluß hatte, außer jenem, daß sie darüber wissen, auf dieses Ereignis reagieren. Welche Bedeutung nimmt es für sie an? Geht es in ihr Unbewußtes ein? Wie verbindet es sich mit ihrem Denken und Fühlen? Diesen Fragen ging eine Konferenz nach, die 1988 in Jerusalem am »Sigmund Freud Centre for Psychoanalysis of the Hebrew University« abgehalten wurde. Der Titel der von Rafael Moses geplanten und geleiteten Konferenz wurde für das nunmehr auf deutsch vorliegende Buch übernommen.
Die beiden Herausgeber der deutschsprachigen Publikation - Rafael Moses und Friedrich-Wilhelm Eickhoff - strukturierten den Tagungsgegenstand wie folgt: Den ersten und wichtigsten Teil bilden vier psychoanalytische Vorträge, die anschließenden Plenumsdiskussionen eingeschlossen. Die Vorträge von Sheldon Roth und dem 1989 verstorbenen Gottfried Appy stellen zwei gegenläufige Perspektiven dar: die jüdische und die deutsche. Mit dem Vortrag von Roth liegt dem deutschsprachigen Publikum ein Beitrag vor, in den die neuere amerikanische Disku