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Wenige Wochen, bevor die Familie Freud ins Londoner Exil ging, im Mai 1938, gelang es dem jüdischen Photographen Edmund Engelman (der seinerseits kurz darauf emigrierte) durch Vermittlung August Aichhorns, Zugang zu Freuds Domizil in der Berggasse 19 zu erhalten und das Interieur der legendären Wohnung photographisch zu fixieren. »Wir waren uns einig«, schreibt Engelman im Rückblick, »daß es für die Geschichte der Psychoanalyse von größter Wichtigkeit war, ihre Geburtsstätte in allen Einzelheiten festzuhalten, damit - in Aichhorns mutigen Worten - »ein Museum geschaffen werden kann, wenn der Sturm der Jahre vorüber ist«. Ich erinnere mich, wie beeindruckt ich war von seiner nüchternen Überzeugung, das Tausendjährige Reich werde nicht ganz so lange bestehen.«
Der schön hergestellte und sorgfältig kommentierte Bildband mit den Engelmanschen Photographien - erstmals 1977, damals mit einem Vorwort von Peter Gay, erschienen - vermittelt einen plastischen Eindruck davon, wie es in der geräumigen Wohnung einer Familie, die zur oberen Mittelschicht Wiens zählte, in der ersten Jahrhunderthälfte aussah. Schwere Möbel und orientalische Teppiche sorgten für ein fast düster wirkendes Ambiente, in welchem jedes Mitglied der Familie sein zugewiesenes »Terrain« hatte. Wir erhaschen einen Blick auf »Tante Minnas Salon« ebenso wie auf das Behandlungszimmer von Freuds Tochter Anna. Am detailliertesten dokumentiert sind natürlich das Arbeits- und das Behandlungszimmer des Begründers der Psychoanalyse mit ihrer überwältigenden Fülle von Antiquitäten, Büchern und Bildern, die den Räumen etwas durchaus Museales verleihen. Auf einem Photo erkennen wir am Fußende der Couch eine Reproduktion des »Ödipus mit der Sphinx« von Ingres, daneben einen Gipsabdruck der »Gradiva«. Am eindrücklichsten aber sind die wenigen Porträtaufnahmen von Martha, Anna und Sigmund Freud. Marthas ernstes und würdevolles Gesicht, Annas zart und verletzlich anmutende Schönheit und Sigmunds strenge, von Alter, Krankheit