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Schon in den siebziger Jahren, nach Erscheinen der bahnbrechenden Jung-Korrespondenz, ging das Gerücht, daß nun bald der Briefwechsel zwischen Freud und Ferenczi folgen würde. Wer sich damals der Vorfreude hingab, wurde auf eine harte Probe gestellt: Erst knapp 20 Jahre später kommt die Erfüllung. Oder vielmehr: Sie beginnt mit einem 1. Band, geteilt in zwei Halbbände, dem sich zweimal zwei weitere anschließen sollen. Aus einem Gesamtbestand von 1234 Stücken (es sind die Briefe beider Seiten erhalten) werden die ersten 483 veröffentlicht. Der Zeitraum reicht bis Sommer 1914 - seltsamerweise nicht bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs, der historisch wie im Leben der Schreiber eine Zäsur brachte, sondern nur bis zum Mord von Sarajewo, den Freud en passant vermerkt.
In der Reihe der Freud-Korrespondenzen tritt dieser umfangreiche Briefwechsel, was Fülle und Intensität der Mitteilungen betrifft, neben die bisher bekannten »großen drei«: mit der Braut Martha, mit Fließ und Jung. Er gibt einen neuen Anlaß, über die frühen Analytiker als Gruppe nachzudenken. Obwohl an wissenschaftlichem Gehalt den Fließbriefen, dem Dokument der Grundlegung Freudscher Theoriebildung, nicht ebenbürtig, bietet er eine Vielfalt von klinischen Erfahrungen und theoretischen Ideen. Freud, der sich nach der Enttäuschung an Jung nie mehr mit der ganzen Leidenschaft seines Wesens in eine Freundschaft gestürzt hat, lernen wir darin von einer wenig bekannten, väterlichen Seite kennen. Ohne Beispiel ist, wie sich die Beziehung der Freunde zu einer Psychoanalyse in Briefen entfaltet. Dem Grad der Gefühlsbeteiligung beider entspricht der ästhetische Reiz ihrer Áußerungen.
Im Hauptteil dieses Artikels werden drei Ebenen betrachtet, auf denen sich die Briefe bewegen: die institutionelle, die wissenschaftliche und die persönliche. Ein Anhang behandelt die Edition unter technischem Aspekt.