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Mitte September 1993, also zwei Wochen nach Ende dieses Symposiums, wird es in Ostdeutschland einen bemerkenswerten Kongreß geben. Sein Thema lautet: »Der innovative Einfluß der ostdeutschen Psychotherapie auf die psychotherapeutische Versorgung und Weiterbildung in Deutschland«. Eine vom Osten ausgehende Erneuerung für das ganze Deutschland - das überrascht, erinnert an alte politische Hoffnungen und erweckt neue Hoffnungen: Ist der oft beklagte Prozeß der Entwertung und Zerstörung von beruflichen Entwicklungen und persönlichen Biographien in Ostdeutschland seit der Wiedervereinigung doch nicht so total und hat Westdeutschland mit seiner oft beklagten Siegermentalität und seinem kolonisatorischem Eifer doch nicht alle Reste von DDR-Identität ausgerottet?
Diese hoffnungsvollen Fragen bewegen sich im Kontext von massenpsychologisch bedeutsamen populären Meinungen, die natürlich eine materielle Grundlage in der sozialen Realität haben. Eine Antwort auf diese Fragen könnte - ebenfalls an populäre Auffassungen anknüpfend - so lauten: Es handelt sich weder um eine nach außen wirkende Erneuerungsbewegung noch um eine innere Erneuerung, sondern um eine willensstarke und effektive Selbstbehauptung ostdeutscher Fachleute mittels neu gegründeter Organisationen. Eine Analogie zu den berüchtigten Rettungsaktionen der sogenannten »alten Seilschaften«?
Das klingt wie die Zerstörung einer Illusion. Gemeint ist die Illusion von der Fähigkeit sozialer Eliten, sich vorbildlich zu wandeln. Aber soziale Realität ist auch der Überlebenskampf von Individuen und deren Organisationen. Aufmerksamkeit verdient die Beziehung zwischen dem Einzelnen und diesen Gruppen bei der Wahrnehmung ihrer Interessen und der Interessenkonflikt zwischen diesen Gruppen. Eine solche Betrachtung