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Eine kritische »Neubetrachtung« der Adoleszenz hat innerhalb der psychoanalytischen Weiblichkeitsdiskussion
»unter dem Druck neuer Fragestellungen gerade erst eingesetzt«. Mit dieser Formulierung markiert die amerikanische Analytikerin Katherine Dalsimer in ihrem nun erfreulicherweise in deutscher Übersetzung erschienenen Buch den Ausgangspunkt, von dem aus sie ihre eigene Fragestellung und Betrachtungsweise entfaltet. Eine Betrachtungsweise, die sich in erster Linie und nachdrücklich gegen die Neigung zu den düsteren Perspektiven wendet, die die theoretische Auseinandersetzung mit der in der Adoleszenz sich entfaltenden Weiblichkeit vernebeln: Dalsimer kritisiert, daß die Momente der Lust am eigenen Geschlecht, der spannungsvollen Beschäftigung mit den Rätseln der Sexualität und der lebenshungrigen Begierden dabei keinen adäquaten Raum einnehmen. Um diesem Mangel zu begegnen, greift sie kraftvoll Freuds teils melancholisch, teils ironisierend anmutende Aufforderung in seiner letzten Vorlesung über die Weiblichkeit auf, sich »an die Dichter« zu wenden. Dalsimer unternimmt dazu das Wagnis, die einzelnen Entwicklungsabschnitte von der Präadoleszenz bis zur Spätadoleszenz mittels literarischer Beispiele zu erläutern, die die unterschiedlichsten Zeitepochen, gesellschaftlichen Verhältnisse und Lebens-umstände widerspiegeln.
Anhand von Carson McCullers Roman Frankie, der in der relativen Abgeschiedenheit einer amerikanischen Kleinstadt während des Zweiten Weltkriegs spielt, verdeutlicht Dalsimer die schmerzliche und angstvolle Bitterkeit, die mit dem Verlust des kindlichen Selbstbildes einhergeht und die Bedeutung von »Übergangsphantasien« im Sinne Winnicotts, die eine Brücke von den regressiven Sehnsüchten zur schrittweisen psychischen Verarbeitung dieser Verluste schlagen helfen.
Die homosexuellen Bedingungen zu Gleichaltrigen und Erwachsenen charakterisiert Dalsimer als Hauptmerkmal der Frühadoleszenz anhand von Muriel Sparks Die Blütezeit der Miss Jean Brodie. In die