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Die Besonderheit der von Sigrid Scheifele vorgelegten Interpretation liegt darin, daß sie das Kleistsche Drama nicht abstrakt mit Hilfe psychoanalytischer Theoriekonstruktionen erklärt, sondern das Kunstwerk unter Zuhilfenahme der Methode des psychoanalytischen Interpretierens zu verstehen sucht. Auf diese Weise trägt sie den Ansprüchen der von Alfred Lorenzer entwickelten Methode der tiefenhermeneutischen Literaturinterpretation Rechnung, die psychoanalytisch vorgeht, ohne ihren Untersuchungsgegenstand zu psychologisieren. Die Einleitung beginnt mit einem kurzen Hinweis auf die Aufführungsgeschichte und skizziert damit schon die Schwierigkeiten der Rezipienten im Umgang mit der Problematik des Stückes: insbesondere als Auseinandersetzung um die Spannung zwischen den Bildern der Weiblichkeit und dem Entwurf menschlicher Selbständigkeit, Selbstverwirklichung und Subjektivität, den die Aufklärung auf ihre Fahnen schrieb. Sodann wird die Verfahrensweise deutlich, nämlich der Ausgang von der Wirkung des Textes auf das eigene Erleben. Die eigene Anteilnahme an den sozialen Figurationen, den Lebensentwürfen, die der Text präsentiert, wird zur Basis eines materialreichen und genauen Durchgangs durch den Text.
Der Beginn des ersten Teils erschließt eine eigentümliche Widersprüchlichkeit des Dramas: »kämpfende Frauen, die die stärkeren Männer überwinden sollen, ohne sie zu töten und ohne sich mit Schwachen zu begnügen« (S. 2). In diesem Widerspruch zeigt sich bereits die Wendung gegen die zeittypische Formulierung des Geschlechterverhältnisses in eigentümlicher Umkehr des phallizistischen Überlegenheitsgebots der Männer. Zugleich wird dem herrschenden Leistungsideal entsprochen (»ohne sich mit Schwachen zu begnügen«). Wichtig ist zudem eine Irritation, die sich aus der Beschäftigung der Verfasserin mit der Darstellungsform ergibt: das Durcheinander der Zeit im Drama erinnert an Träume, »einander Ausschließendes folgt kurz aufeinander« (S. 5). Im Abschnitt »Das Drama als