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Die bisherige psychoanalytische Beschäftigung mit dem Thema »weibliche
Homosexualität« ist geprägt von einer pathologisierenden Perspektive: In der Mehrzahl der Darstellungen wird ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Symptom, das in eine psychoanalytische Behandlung geführt hat, und der sexuellen Orientierung hergestellt und die psychische Problematik der Patientinnen dann übertragen auf alle homosexuellen Frauen. Impliziter Bezugspunkt für eine gelungene Entwicklung ist die Heterosexualität - eine normative Orientierung, in der Homosexualität immer schon als Ausdruck einer Störung gesehen wird. In einer vor 10 Jahren veröffentlichten Studie hat Fritz Morgenthaler typische Stationen einer »ungestörten, normalen Entwicklung« (Morgenthaler, 1984 S. 100) zur männlichen Homosexualität dargestellt, für weibliche Homosexualität haben solche theoretischen Reformulierungen bisher gefehlt. Vor diesem Hintergrund ist ein Band mit der Intention - so die Herausgeberin Eva Maria Alves -, »sich eines Fundaments für eine genuin weibliche Auffassung der weiblichen Sexualentwicklung, die notwendigerweise weibliche homosexuelle, lesbische Beziehungen und Bezüge miteinschließt, zu vergewissern« (S. 9), von großer Bedeutung. Bedauerlich ist jedoch, daß, von der Herausgeberin unkommentiert, Beiträge mit sehr unterschiedlichen zugrundeliegenden Bewertungen nebeneinanderstehen: Kritisieren Barbara Gissrau und Mechthild Zeul in ihren Aufsätzen überzeugend die pathologisierenden Tendenzen in bisherigen psychoanalytischen Veröffentlichungen zur weiblichen Homosexualität, so finden sich genau jene Pathologisierungen im Beitrag von Brigitte Halenta und zum Teil auch dem von Judith Kestenberg.
Halenta beschreibt auf der Basis ihrer therapeutischen Arbeit mit elf lesbischen Frauen eine von »Haß auf Leben und Tod« (S. 147) geprägte Innenwelt dieser Frauen, gegen deren Bedrohlichkeit Mechanismen manischer Abwehr eingesetzt werden, »manische Liebe«, die den Beziehungen dieser Frauen häufig d