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Der Transsexualität, die bisher zumeist als ein ausschließlich klinisches Problem verhandelt wurde, wird seit einigen Jahren ein wissenschaftliches Interesse entgegengebracht, das stärker wissens- bzw. mikro- und kultursoziologischen Sehweisen verpflichtet ist. In dieser Perspektive werden Transsexuelle nicht mehr als pathologische Fälle betrachtet, sondern als Fremdlinge in einer Welt von Personen, die lebenslänglich einem und nur einem Geschlecht angehören. Gerade aufgrund der transsexuellen Verfremdung wird sichtbar, was für uns selbstverständlich ist: Wie sind »wir«, im Unterschied zu »denen«, Frauen und Männer mit einer Geschlechtsidentidät, die mit der geschlechtlichen Klassifikation »unserer« Körper so bruchlos übereinstimmt. Fragwürdig ist also weniger das Abweichende als das Normale. Sigusch knüpft an diese Perspektivenverschiebung an und versucht sie in seinem durch Psychoanalyse und gesellschaftstheoretische Ideologiekritik bestimmten Denkhorizont zu reformulieren. Herausgekommen ist ein gut zu lesendes und überzeugendes Plädoyer für eine nicht-pathologisierende Sicht auf das Phänomen Transsexualität.
Die seine Argumentation tragende Überlegung expliziert Sigusch im letzten Teil des Buches. Er bezieht sich auf Freuds berühmte Fußnote zur Homosexualität in den Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie: Freud hatte sich dort dagegen gewehrt, die Homosexuellen als eine besondere Spezies Mensch von den Normalen zu diskriminieren, und darauf insistiert, daß wir alle der »gleichgeschlechtlichen Objektwahl fähig sind und dieselbe auch im Unbewußten vollzogen haben« (zit. nach Sigusch, S. 120 f). Daraus folgt, daß eine auschließlich heterosexuelle Orientierung genauso ein bemerkens- und untersuchenswertes Phänomen darstellt wie die ausschließlich homosexuelle. Auf die Sphäre des Geschlechts übertragen, ergibt sich zweierlei: Erstens: Nicht nur die auf den ersten Blick so fremdartig anmutende Transsexualität ist ein Staunen erregendes Phänomen, sondern auch die Geschlech