You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Einstellung vieler Psychoanalytiker und Psychoanalytikerinnen dem Medium Film gegenüber war und ist überwiegend ambivalent und distanziert. Freuds Ablehnung der neuen Kunst manifestierte sich u. a. in seiner Reaktion auf den Plan Karl Abrahams und Hanns Sachs', an dem ersten psychoanalytischen Film mitzuwirken, der als »Geheimnisse einer Seele« (G.W. Pabst, ) in die Filmgeschichte eingegangen ist. In seine berechtigte Skepsis im Hinblick auf die filmische Darstellbarkeit psychoanalytischer Hypothesen mischte sich ein Vorurteil, das Freud mit vielen Bildungsbürgern seiner Zeit teilte, indem er den Film als modische Erscheinung abtat, mit der er persönlich nicht in Verbindung gebracht werden wolle. 1912 hatte sich jedoch Lou Andreas-Salo-mei bereits über die Bedeutung des Kinos für menschliches Erleben geäußert; seine Faszination liege darin, daß die filmische Technik die rasche Abfolge der psychischen Bilder zu simulieren vermöge. Sie sagte dem Medium eine Zukunft voraus, weil es die seelische Konstitution des Menschen respektiere. Neben der ablehnenden und distanzierten Haltung der Psychoanalytiker und Psychoanalytikerinnen existiert jedoch durchaus auch ein Interesse am Kino; so wird anhand meiner in diesem Heft publizierten Nachzeichnung der Geschichte der psychoanalytischen Filmtheorie der Reichtum an theoretischen und praktisch-inter-pretativen Zugängen zu dem neuen Medium deutlich. Diese Texte waren in ihrer Gesamtheit der psychoanalytischen Öffentlichkeit bisher nicht zugänglich. Bei ihrer Sichtung fallen bestimmte Eigentümlichkeiten auf: Nur in den seltensten Fällen zitieren sich die Autoren wechselseitig, nehmen Bezug auf die Theorie, die in anderen Veröffentlichungen formuliert wird, so daß der Eindruck entsteht, daß einzelne vom Film persönlich angezogene Analytiker und Analytikerinnen sich zwar mit ihm auseinandersetzen, aber kein Interesse an Weiterentwicklung, Korrektur oder Bestätigung der eigenen konkreten Filmtheorie haben. Ich vermute, daß diese