You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
David Becker, ein deutscher psychoanalytisch orientierter Familien-Psychotherapeut, der seit 1982 in Chile in verschiedenen Institutionen mit Extremtraumatisierten gearbeitet hat, legt mit diesem Buch eine Systematisierung seiner Erfahrungen der psychotherapeutischen Behandlung von Gefolterten, Familien von Verschwundenen und Exekutierten, von Exilierten und Remigranten vor. Psychotherapeuten, die in Deutschland mit Ausländern arbeiten und zunehmend mit dieser oder einer ähnlichen Problematik (wie Kriegsfolgen, systematische Vergewaltigungen etc.) konfrontiert sind, dürfte die Lektüre, ebenso wie denjenigen, die mit Traumatisierten (wie sexuell Mißbrauchten, Vergewaltigungsopfern) psychotherapeutisch arbeiten, wertvolle Anregungen geben.
Das Verhältnis von Innen und Außen, von gesellschaftlicher Herrschaft und innerpsychischer Dynamik zieht sich als roter Faden durch das gesamte Buch. Der Begriff »Extremtraumisierte« entlehnt der Autor, wie seine chilenischen Kollegen, den Arbeiten Bruno Bettelheims über seine KZ-Erfahrungen. Mit Vehemenz vertritt Becker die These, daß Psychopathologie immer reaktiv, als direkte Folge des durch den staatlichen Terror produzierten Traumas zu verstehen sei, gleichgültig, welche Erscheinungsformen — ob neurotische, borderline oder psychotische — sie auch annehme n mag. Und er besteht darauf, daß in Psychotherapien von Extremtraumatisierten immer das »Außen«, die gesellschaftlichen Verhältnisse, der politische Terror einbezogen werden müssen. Nur so könne man den psychisch zerstörten Individuen und ihren Familien gerecht werden.
Folgerichtig unternimmt Becker eine Kategorisierung, die sich vor allem am äußeren Trauma orientiert. Er stellt folgende Kategorien auf: die Folteropfer und ihre Familien; die Familien der Verschwundenen und Exekutierten; die Exilierten und Remigranten. Als psychoanalytisch orientierter Familientherapeut mißt er jedoch auch dem »Innen« eine eigenständige Bedeutung bei: Das Trauma trifft auf eine innerpsychische St