You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Als Alain de Mijolla 1985 in Paris die Association Internationale d'Histoire de la Psychanalyse (AIHP) gründete, stand im Hintergrund die Geschichte der Spaltungen der französischen psychoanalytischen Gesellschaften, ausgehend von Lacans Alleingang 1953. Unter der Perspektive der Psychoanalyse-Geschichte sollte ein schulenübergreifendes und internationales Forum der gemeinsamen wissenschaftlichen Diskussion geschaffen werden. Betrachtet man den Erfolg der diesjährigen Tagung, so scheint die AIHP ein vitales Interesse vieler Psychoanalytiker und Psychoanalyse-Interessierter getroffen zu haben: Etwa 50 Referenten aus aller Welt, ca. 450 Teilnehmer und ein diskussionsfreudiges Klima sorgten angesichts des Themas für Zündstoff. Doch kam es dabei zu auffällig wenig Spannungen, Explosionen, Dissens und Streit. Warum?
War es Berlin, dessen Mauer, als Symbol der gespaltenen Nation, gefallen war, weshalb auch auf dem Kongreß »Vereinigung« angesagt war? War es das immer noch neuartige Erlebnis - worauf Ludger M. Hermanns, der Veranstalter, hingewiesen hatte -, internationale Psychoanalytiker in Deutschland versammelt zu sehen, das angesichts der destruktiven deutschen Geschichte einen freundlich vorsichtigen Ton nahelegte? War es die Betonung der »Bewegung« als Referenzpunkt für die Abspaltungen, eines vagen, aber lebensvollen Begriffes, der jedoch die Frage vermeiden half, was denn nun das spezifisch Psychoanalytische an der Psychoanalyse sei, deren Erörterung zweifellos zu Streit geführt hätte? Ist es wirklich das formale Kriterium der 4-stündigen Analyse, das als Schibboleth derzeit so hoch gehandelt wird? War es die Tatsache, daß Spaltungen psychoanalytischer Gruppen in der Regel persönliche, lokale, äußerstenfalls nationale Bedeutung haben und deswegen von Außenstehenden eher mit freundlichem Interesse als mit Leidenschaft betrachtet werden? Auffällig ist jedenfalls, daß in kaum einem Land die Psychoanalyse sich ohne institutionelle Spaltungen entwickelt hat. Im Folgenden