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Erik H. Erikson gehört zu jenen Wissenschaftlern und psychoanalytischen Schriftstellern, deren Arbeiten eine ganz außergewöhnliche Verbreitung gefunden haben. Auch außerhalb der Psychologie hat dieser Autor, der selber oft genug den rigiden Konventionalismus disziplinärer Grenzziehungen souverän ignorierte und seine psychoanalytisch-psychologischen Forschungen insbesondere mit kulturanthropologischen, historischen und soziologischen Erkenntnissen verknüpfte, Beachtung gefunden. Einige der Begriffe, die durch Erikson geprägt oder zumindest mitgeprägt wurden - zu denken wäre beispielsweise an »Urvertrauen«, »psychosoziales Moratorium« oder »Lebenszyklus« -, haben längst Eingang in den allgemeinen Wortschatz gefunden. Dies gilt natürlich in besonderem Maße für die Begriffe »Identität« und »Identitätskrise«, deren ausufernde Verbreitung in den Wissenschaften und in unserem Alltag nicht zuletzt auf den Einfluß Eriksons zurückzuführen ist.
Die ungebrochene Aktualität und die Beachtung, die dem Werk von Erikson bis heute entgegengebracht wird, läßt das von Peter Conzen vorgelegte Buch von vornherein höchst interessant erscheinen. Dieses Interesse wird zweifellos noch gesteigert, wenn der Autor im Untertitel seiner umfangreichen Studie eine systematische Gesamtdarstellung der theoretischen und klinischen Positionen Eriksons ankündigt und in der Einleitung in Aussicht stellt, eine von Rappaport im Jahre 1967 formulierte, bis heute jedoch ungelöste Aufgabe anzugehen: Wenn Conzen von einer »Gesamtdarstellung« spricht, soll dies nämlich heißen, »die vielen Konzepte und Theorien Eriksons, die in verschiedenen Phasen seines Denkens entstanden sind, zu ordnen und in ein systematisches Gedankengebäude zu überführen, darüber hinaus aber auch manche Ideen, die sich in seinen Schriften oft nur andeuten, zu präzisieren und näher auszuführen. Roter Faden ist die Erörterung des Identitätsbegriffs, zentrales Konzept und verbindende Klammer seiner unterschiedlichen Arbeiten, in