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Schon in der Frühzeit der Entwicklung seiner »neuen Wissenschaft« war Freud daran gelegen, die Bedeutung der psychoanalytischen Theorie und Methode nicht auf die klinische Praxis und das Individuum sowie seine Lebensgeschichte zu beschränken: Die Psychoanalyse sollte einen »universellen Schlüssel« zum Verständnis aller menschlichen Phänomene zur Verfügung stellen. Geschichte, Kultur, Gesellschaft und ebenso die Künste, insbesondere die Literatur und bildende Kunst - Leidenschaften Freuds - sollten mit den neuen Kenntnissen der Psyche genauer verstanden werden. Schon zu Freuds Lebzeiten übernahmen zahlreiche Psychoanalytiker, Kunsthistoriker und Literaturwissenschaftler sein Interesse. Ihren Höhepunkt fand die Auseinandersetzung um die Möglichkeit einer psychoanalytischen Theorie und Interpretationsmethode der Literatur und bildenden Kunst im Laufe der - durch intensive Methodendiskussion geprägten - siebziger Jahre, in denen man eine grundlegende theoretische Reflexion und Fundierung des psychoanalytischen Zugangs zu den Künsten zu entwickeln versuchte. Alfred Lorenzer erkannte in diesem Zugang - wie allgemein in der Psychoanalyse, was ihren wisssenschaftstheoretischen Status anbelangt - ein hermeneutisches Verfahren und spezifizierte ihn als »Tiefenhermeneutik«, da er die Erweiterung des Verständnisses um die Dimension des Unbewußten vollzieht. Die größere Aufmerksamkeit fand die Literatur, ist sie doch ein sprachliches Gebilde und die Sprache für die Psychoanalyse - in der Theorie wie in der Praxis - selber zentral. Die Auseinandersetzung mit den Fragen eines tiefenhermeneutischen Zugangs zur bildenden Kunst stagnierte. Der Versuch, auf der Grundlage der avanciertesten Überlegungen die Theorie weiterzutreiben, die Diskussion wieder zu entfachen, ist ein Desiderat. Wer sich einen solchen Impuls von Georg Franzens Studie Der tiefenhermeneutische Zugang zur bildenden Kunst, dargestellt an Freuds Studie des »Moses« von Michelangelo, erwartet, wird enttäuscht. In ihren