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Der auf Freud zurückgehende Versuch, mit dem Instrumentarium der Psychoanalyse nicht nur das Individuum, sondern auch die Gesellschaft und das Verhältnis von Innen und Außen zu verstehen, hat insbesondere in Deutschland eine lange Tradition. In einem Rückblick auf die letzten 30 Jahre des psychoanalytischen Anwendungsdiskurses gelangt der Autor zu der Einschätzung, daß dieser als weitgehend gescheitert gelten kann. Reiche benennt fünf große Diskurslinien, an denen er jenes Scheitern ausführt: eine Linie der Assimilierung und Auslaugung, womit die psychoanalytische Kulturkritik gemeint ist; eine pathologische Trauerreaktion, bezogen auf die Kritische Theorie; eine dritte Linie der aggressiven Zurückweisung psychoanalytischer Erkenntnisse durch die Systemtheorie; eine vierte Linie der Entwertung und Usurpation durch den Poststrukturalismus und Dekonstruktivismus. In der fünften und letzten Linie des psychoanalytischen Anwendungsdiskurses der Theorie des kommunikativen Handelns erkennt der Autor einen zögernden erneuten Brückenschlag zwischen Soziologie und Psychoanalyse. Psychoanalyse, so läßt sich das Fazit des Autors zusammenfassen, eignet sich für den Blick auf das Innen; das Außen erreicht psychoanalytische Theorie nicht.