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Auf die zählebige wissenschaftshistorische Legende, die Freud zum großen »Entdecker« des Unbewußten stilisierte, folgte fast zwangsläufig die Denunziation Freuds als Plagiator, als »Nachdenker«. In den wesentlichen Momenten seiner »revolutionären« Psychoanalyse, so dem Theorem des Unbewußten, seien Freuds Erkenntnisse Aufbereitungen vor allem von Schopenhauer und Nietzsche, die Freud wohl gekannt, aber nur selten explizit als Quelle angegeben habe. Diese »philosophisch-psychologische Spurensuche« wurde in den letzten Jahren eine Art Mode; dabei bereitete es den Freud-Aufklärern ein seltsam großes Vergnügen, »dem vorgeblichen Urvater der Psychoanalyse die Groß-und Urgroßvaterschaft gleich scharenweise zu verschreiben.« Was nun, nach einer »schon afrikanisch erhitzten Debatte«, not tut, ist eine sachliche und differenzierte Auseinandersetzung mit der Entdeckungsgeschichte des Unbewußten, die das wirklich Neue und Eigene Freuds in der Konfrontation mit den wesentlichsten Texten der Theorieentwicklung vor ihm sichtbar werden läßt.
Lütkehaus, Germanist, meist »philosophisch« tätig, hat eben diese Notwendigkeit sich zum Programm gemacht. Dabei erschöpft sich Lütkehaus’ Interesse nicht in wissenschaftshistorischen Befunden. So das Fazit von Lütkehaus’ Untersuchungen zu diesem Punkt gleich vorweg: Freuds frühe topische und später strukturelle Konzeption des Unbewußten stellen für die Entdeckungsgeschichte des Unbewußten »weniger den Anfangs- als einen End-und allerdings auch einen Höhepunkt dar.« Sicherlich die reellste Wertung der Innovativität der Freudschen Gedanken.
Lütkehaus legt in seinem Band eine kompetent ausgewählte, interessante und instruktive Sammlung von 12 Texten der deutschsprachigen Philosophie des 19. Jahrhunderts vor, die, so sein eigener Anspruch, »zum ersten Mal detailliert und umfassend die letzte und wichtigste vorfreudsche Phase der Entdeckungsgeschichte« des Unbewußten in ihrem ganzen Spektrum dokumentiert. Er präsentiert neben solchen Texten, deren R