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Es gibt wohl nur wenige Bücher, die bei Psychoanalytikern so vehemente Gefühle freigesetzt haben wie die jüngste Veröffentlichung von Annemarie Dührssen, emeritierte Ordinaria des Lehrstuhls für Psychotherapie und psychosomatische Medizin des Klinikums Westend1 der Freien Universität Berlin, Jahrgang 1916 und Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft.
Die erregten Äußerungen, die seit dem Erscheinen laut wurden, reichen vom »erneuten Einzug des intellektuellen Antisemitismus in die Psychoanalyse« bis zu resignativ verkehrten Wünschen, »leider könne man Frau Dührssen nicht wegen Volksverhetzung anzeigen«. Natürlich wird unter ihren Anhängern beschwichtigt, der Vorwurf des Antisemitismus bekümmere sie sehr, sei ihr doch eine solche Einstellung völlig fremd. Aber welcher Analytiker ist schon frei von jenen personal-, institutsund vereinsbedingten Abhängigkeiten, die das jeweilige Gesichtsfeld in jahrelangen Korrekturen der Wahrnehmung vermutlich mehr eingeengt als erweitert haben? Bei Büchern, die derartige Affekte auslösen, sollte man die unbewußten Motive besonders untersuchen, wenn es sich nicht um ein kalkuliertes Manöver handelt, um bloß nicht in Vergessenheit zu geraten.
Dührssens Buch entzieht sich zunächst jeder Einordnung; denn weder läßt es sich als Zeugnis einer Zeitgenossin noch als Werk einer Historikerin rezensieren. Die Autorin teilt uns weder ihre persönlichen Erfahrungen mit, die sie als Ausbildungskandidatin bzw. Psychotherapeutin am Reichsinstitut für Psychologische Forschung und Psychotherapie und dem Nachfolge-Institut der DPG gemacht hat, noch nutzt sie die Standards und Regeln, die das Handwerk des Historikers auszeichnen. Sie hat es nicht nötig, Zitate zu belegen oder Quellen zu benennen, die