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Den — auch politisch und berufspolitisch — folgenreichen Angriff von Grawe, Donati und Bernauer auf die Einzelfallstudie als Forschungsinstrument im Rahmen der Psychotherapieforschung nimmt die Autorin zum Anlaß, Qualität und Vorzüge der wissenschaftlichen Erforschung des Einzelfalls zu erörtern. Dabei geht sie von dem bekannten Dilemma aus, daß die Idiosynkrasie des Einzelfalls, der immer nur von einem besonderen Individuum handelt, sich per definitionem weigert, sich generalisierten Aussagen zu fügen, während es zur Definition von Wissenschaft gehört, gerade solche Aussagen hervorzubringen. Leuzinger-Bohleber plädiert dafür, die interne bzw. narrative Kohärenz psychoanalytischer Deutungen durch externe Kohärenz dergestalt zu ergänzen, daß genuin psychoanalytische Interpretationen und Konzepte nicht in Widerspruch zum akzeptierten Wissen anderer wissenschaftlicher Disziplinen stehen. In Anlehnung vor allem an Moser zeigt sie, daß eine von »Verdacht und Irrtum« geprägte Forscherhaltung, die sich gegen Glaubenssätze und letzte Wahrheiten als immun erweist, sehr wohl in der Lage ist, von Einzelbeobachtungen zu sukzessiven Generalisierungen, von Daten zu Metaphern, Konzepten und schließlich Theorien zu gelangen, deren Validität wiederum anhand neuer Daten geprüft werden müsse. Durch die Rückführung theoretischer Modelle auf neue Praxissituationen — in der therapeutischen Situation, in der Experimentalsituation sowie in der Computersimulation — ist es der Autorin zufolge möglich, die Spannung zwischen Einzelfallstudie und auf Generalisierung zielender Wissenschaft wenn nicht aufzuheben, so doch auszuhalten: ganz im Sinne des Verständnisses der Psychoanalyse als einer »Wissenschaft zwischen den Wissenschaften«, zwischen »Verstehen« und »Erklären«, zwischen Hermeneutik und hardcore science.