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Mit dem Titel Das Rätsel des Masochismus legt Léon Wurmser sein viertes Buch in deutscher Sprache zur psychoanalytischen Therapie schwerer seelischer Erkrankungen und zur psychoanalytischen Theoriebildung vor. Hier vertieft und erweitert er seine vorhergehenden Werke, insbesondere Flucht vor dem Gewissen, durch eine für unsere alltägliche therapeutische Arbeit wesentlichen Dimension: die des Masochismus in seinen vielfältigen Erscheinungsformen und Verkleidungen.
Wurmser definiert Masochismus als »das unbewußte Bedürfnis, Leiden, Schmerz und Erniedrigung zu suchen und die Chancen auf Erfolg zu sabotieren, in der Hoffnung, auf diese Weise Liebe und Respekt zu erreichen« (S. 38, kursiv im Original). Diesen im klinischen Alltag wie in der Literatur vielfach überdehnten Begriff versteht er als beschreibend, nicht als erklärend. Er beschreibt ihn in seinen vier Dimensionen:
den äußerlichen Masochismus der Einfärbung mitmenschlicher Beziehungen durch Opfertum und Erniedrigung,
den innerlichen oder moralischen Masochismus der v. a. gegen die eigene Person gerichteten Selbst-Quälerei durch das Gewissen,
den sexuellen Masochismus, bei dem Befriedigung an symbolische oder reale Qual und Erniedrigung gebunden ist,
den durch eine sadistisch-narzißtische Fassade verdeckten Masochismus. Auf eine gründliche Übersicht und theoretische Auseinandersetzu mit der wesentlichen Literatur folgen ausführliche kasuistische Darstellungen in gut dokumentierten Behandlungsausschnitten, in denen die Klinik der skizzierten vier Dimensionen und deren innere Verwobenheit miteinander für den Leser in ihren vielfältigen Facetten anschaulich nachvollziehbar wird.
Bei allen Formen von schwerem Masochismus spielen tiefgehende, oft früh einsetzende Traumatisierungen eine zentrale Rolle, insbesondere der »Seelenmord« als der »absichtliche Versuch, die besondere Identität eines anderen Menschen auszulöschen oder zu kompromittieren … das Opfer seiner Fähigkeit zu berauben, Freude und Liebe als getrennte Personen