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Judith S. Kestenberg widmete einen großen Teil ihres Lebenswerkes der Erforschung der Folgen des Holocaust für Überlebende und deren Kinder. Damit verband sie ihren unermüdlichen Versuch, durch öffentliche Aufklärung das kollektive und individuelle Vergessen der Judenverfolgung im Nationalsozialismus zu erschweren. Das Bilderbuch, das sie, zusammen mit der südafrikanischen Künstlerin Vivienne Koorland, für Kinder und ihre Eltern und Großeltern geschrieben hat, ist eine ihrer jüngsten Bemühungen, die historische Wahrheit auch an kleine Kinder zu kommunizieren: »Wenn wir wirklich Kriege verhindern wollen, wenn wir vermeiden wollen, fremde Menschen zu verachten und anzugreifen, dann müssen wir den Kindern die Wahrheit sagen - so früh wie möglich« (Nachwort, S. 6). Vermutlich ist das Wiederaufleben von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhaß in Deutschland für sie bitterer Anlaß, einmal mehr aktiv einen Beitrag zur Aufklärung zu leisten.
Kestenberg möchte mit dem Bilderbuch Eltern eine Hilfestellung bieten, auf Fragen von Vorschulkindern zum Holocaust einzugehen. Ihre jahrelange Erfahrung mit Kleinkindern hat sie dafür sensibilisiert, »daß Kinderohren größer sind als unsere. Sie hören viel mehr als wir, so daß sie imstande sind, mehrere Reize auf einmal aufzunehmen. Ein Kind kann in der Ecke spielen und mit seinen Puppen und Flugzeugen sprechen und doch hören, was im nächsten Raum gesagt wird. Wir können Kindern nicht von Rundfunkoder Fernsehnachrichten isolieren. Wir können nicht verhindern, daß kleine oder große Kinder ins Zimmer kommen, wenn wir vor dem Fernseher sitzen, oder an der Tür horchen, wenn Erwachsene miteinander diskutieren«, (S.4). So ist z.B. in diesem Jahr, 50 Jahre nach Kriegsende, die Wahrscheinlichkeit groß, daß auch Vorschulkinder Medienberichte und Gespräche über die Judenverfolgung und -vernichtung in Nazideutschland mithören. Kinderpsychoanalytische Erfahrungen haben vielfach belegt, daß