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»Die Selbstdarstellung zeigt, wie die Psychoanalyse mein Lebensinhalt wird, und folgt dann der berechtigten Annahme, daß nichts, was mir persönlich begegnet ist, neben meinen Bemühungen zur Wissenschaft Interesse verdient«, schreibt Freud in der Nachschrift zu seiner unpersönlichen und irreführend betitelten Selbstdarstellung von 1925 (Schriften zur Geschichte der Psychoanalyse. Hrsg. v. Ilse Grubrich-Simitis, Frankfurt 1971, S. 97).
Heute lachen wir über diese irrige Annahme. Freuds Entscheidung gegen eine persönliche Autobiographie hat zur Folge gehabt, daß wir uns völlig auf seine Biographen verlassen müssen, um den Mann hinter dem großen Namen zu verstehen. Daß ein ganzes Heer von Biographen, die diese Lücke um jeden Preis ausfüllen wollen, jeden Aspekt von Freuds persönlichem und beruflichem Leben unter die Lupe genommen hat, wirkt wie die ironische Konsequenz seines Bestrebens, seine Privatsphäre zu schützen (Brief von Freud an Bernays, 10. August 1929, S. 295). Unter den Autoren waren sowohl ergebene Schüler als auch erbitterte Feinde der Psychoanalyse, und deshalb wurde Freud entweder als großzügig und warmherzig oder als kleinlich und rachsüchtig dargestellt. Der Wunsch nach einer sicheren Basis zur Beurteilung seines wahren Charakters ist dadurch unerfüllt geblieben. In diesem Buch aber werden viele Fragen beantwortet.
Freuds ältester Sohn Martin, mein Vater, hat davon gesprochen, daß sein Vater eine Art loses Tagebuch in Form großer weißer Blätter auf seinem Tisch hatte, auf die er in kürzester Form solche Tagesereignisse notierte, die ihm wichtig schienen (vgl. S. XI). Dieses Tagebuch nahm Freud zusammen mit anderen Büchern und Papieren mit nach London. Es war im Londoner Freud-Museum den Freud-Forschern zugänglich, ist aber bis jetzt nie veröffentlicht worden. Im folgenden werde ich zunächst die Gesamtstruktur des Buches vorstellen, bevor ich mich detaillierter mit den zwei wichtigsten Teilen beschäftige.
In der Einführung, dem ersten Teil des Diary, erlä