You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Grosskurths Biographie über Melanie Klein ist einerseits ein faszinierendes und bedeutendes historisches Dokument über eine der Persönlichkeiten, die entscheidende neue Impulse in der Entwicklung der Psychoanalyse gegeben haben. Ihr liegen gründliche Recherchen zugrunde: Grosskurth hat offensichtlich viel Mühe darauf verwandt, eine Fülle von Briefen und Dokumenten ausfindig zu machen und durchzusehen, viele psychoanalytische Texte zu lesen und aufzuschließen, und hat zahlreiche Psychoanalytiker, Familienmitglieder und sogar ehemalige Patienten von Melanie Klein interviewt, um eine detaillierte und sachkundige Geschichte nicht nur über Kleins Leben, sondern auch über die Psychoanalyse zu schreiben, insbesondere über deren Entwicklung in der Britischen Psychoanalytischen Gesellschaft.
Andererseits ist es kein gutes Buch. Grosskurth, Englischprofessorin an der Universität von Toronto, überschreitet die Grenzen ihrer Fachkompetenzen, um in die Rolle einer Psychobiographin zu schlüpfen. Es bereitet Unbehagen beim Lesen, wenn sie nicht nur Melanie Klein, sondern auch ihre Mutter, den Bruder und viele ihrer Kollegen »analysiert«. Sogar Anna Freud wird nicht verschont. Würde es sich um einen biographischen Roman handeln, wäre ihre Neigung akzeptabel, historische Fakten ungeschieden neben höchst spekulativen Assoziationen zu präsentieren. Dazu würde auch gut ihr lebendiger und farbiger Stil passen, mit dem sie das Material ansprechend und lesbar gestaltet. Ihre Interpretationen sind jedoch viel zu häufig peinlich naive Klischees und schlechte Anwendungen ungenau verstandener psychoanalytischer Theorie. Was eine Biographie hätte werden können, hat sich dadurch auf einen populären Roman reduziert. Zum Beispiel: »Es ist ganz deutlich, daß Melanie sich vor einer Schwangerschaft fürchtete, und ihre Mutter benutzte diese Furcht, um sie so weit wie möglich von Arthur zu trennen. Melanie kann gegenüber Libussas Machenschaften nicht völlig blind gewesen sein. Wollte ihre Mutter sie mi