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Zwei Bücher zum Thema - zweimal dieselbe Geschichte zur Geschichte der Psychoanalyse? Keineswegs. Denn »Geschichte« existiert nicht - jedenfalls nicht als eine Folge von Ereignissen, die objektiv zu ermitteln und darzustellen wären. Was wir Geschichte nennen, ist stets die Konstruktion eines Verstehensgefüges von Daten, subjektiv selbst bei breitem Konsens und immer neu überformbar (vgl. Wyatt, 1986, 1994).
Roudinesco, im ersten Band ihres zweibändig konzipierten Werks, führt uns einen Reigen lebender Bilder vor. Dem deutschen Leser erscheint ihre Darstellung ungemein »gallisch«: wortgewandt und wortaufwendig, drastisch wertend, unbekümmert in der Präsentation des eigenen Urteils; für sorgsames Abwägen bleibt wenig Raum. Roudinesco präsentiert uns nicht die Geschichte einer Disziplin oder eines heuristischen Ansatzes, sondern Versatzstücke aus anekdotischem Lokalkolorit, Feuilleton und biographischen Exkursen. Wir werden in das Paris des 19. Jahrhunderts entführt, in die Atmosphäre der Kliniken, Akademien und Salons. Wir begegnen Charcot, Janet und Hesnard aus der Perspektive des Zeitreisenden, dem alles Vergangene bunt, exotisch und leicht »verrückt« erscheint. In einigen Fällen führt diese Perspektive sicherlich zu Fehleinschätzungen:
»Jeder renommierte Arzt hat auf dem Gipfel seiner Karriere einen berühmten Künstler unter seinen Patienten, mit dem er über die Entstehung des Schöpferischen im Dialog steht« (S. 43) - van Gogh aber, den Roudinesco als Beispiel nennt, war zu seinen Lebzeiten keineswegs eine Berühmtheit, sondern in den Augen der meisten außerhalb eines engen Kreises ein verelendeter Spinner.
In vielem ist Roudinescos Darstellung kenntnisreich und lebendig-anschaulich; sie zeichnet Stimmungsbilder des literarischen und wissenschaftlichen Diskurses im damaligen Frankreich. Aber häufig driftet sie ab ins Detail, ja ins Fiktive. Was soll uns die Spekulation, Freud hätte 1885 mit Maupassant in einem galanten Lokal zu Mittag essen können - vorausgesetzt, sie w