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Paul Valéry hat über die moderne künstlerische Sensibilität gesagt, daß sie das Sichtbare zu sehen und, wichtiger noch, das Unsichtbare nicht zu sehen versuche. Die Differenz zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren beschäftigt jeden Psychoanalytiker alltäglich, ja man kann sagen, in diesem Sinn ist die Psychoanalyse nicht »modern«; sie galt ja schon einmal als veraltet. Sie versucht kontinuierlich, vom Unsichtbaren zu sprechen, ihre Metapsychologie hat die Metaphysik beerbt. Sie will das Undenkbare denken (Coltart, 1986). Lacan hat das Unsichtbare in seinen Texten zu inszenieren versucht. Stein deutet kontinuierlich darauf hin und macht dabei von einer Unterscheidung Gebrauch, die schon den frühen Wittgenstein beschäftigte. Von manchem kann man nicht sprechen, man kann nur darauf zeigen oder »deuten«. Deshalb ist in Steins Buch das, was darin steht, ebenso wichtig, wie das, was nicht darin steht, was die Lektüre aber in einer schieren Überfülle an Assoziationen, Erinnerungen, Berührungen in einem kontinuierlichen Strom begleitet.
Stein verzichtet auf eine gleichsam akademische Vorstellung von Freuds letzter Lehre, die Einführung von Eros und Todestrieb. Ihm kommt es auf etwas anderes an: die Wiedereinbettung der Psychoanalyse in ihren geisteswissenschaftlichen, philosophischen Kontext, der ihr im Zuge der Klinifizierung und Medizinalisierung wenn nicht abhanden gekommen ist, so doch an die Peripherie gedrängt wurde. Wenn die Aufstellung Anzieus, die er für Freuds Selbstanalyse angegeben hat, richtig ist, wonach »Bewußtmachen« bedeutet, das Persönliche mit den kulturellen Erfahrungen zu verbinden, dann ist Steins Buch als ein ungemein informierter Beitrag zu einer Geschichte der Psychoanalyse zu lesen. Hier werden Horizontlinien gezogen, die eine Rezension selbst nur andeuten, aber nicht abschreiten kann.
Wer Steins frühere Arbeiten kennt, weiß, daß er Winnicotts »wahres Selbst« ins Zentrum klinischer und philosophischer Reflexion stellt. Anknüpfend an Winnicotts