You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Als Kind und junger Mann lehnte Prinz Friedrich von Hohenzollern, der spätere König Friedrich II. von Preußen, die militärischen, preußischdeutschen, von Pflichterfüllung und Gehorsam geprägten Orientierungen seines Vaters, des sog. Soldatenkönigs, ab. Stattdessen entwickelte er »effeminierte« Seiten, indem er sich für Literatur, Musik und die unsoldatischen Annehmlichkeiten des höfischen Lebens seiner Zeit interessierte, darin die Unterstützung seiner Mutter wie seiner Schwester findend. Diese Nichtakzeptanz des männlich-väterlichen Prinzips trieb den Kronprinzen in immer schärferen Gegensatz zu seinem Vater, der mit wachsender Erbitterung die unsoldatische Entwicklung des Sohnes beobachtete, und führte schließlich in eine Katastrophe, in deren Folge Friedrichs nächster Freund hingerichtet wurde und er selber nur mit knapper Not der tödlichen Rache des Vaters entging. Nach diesem Ereignis paßte sich der Sohn den väterlichen Erwartungen und Vorgaben zunehmend an und wurde nach Friedrich Wilhelms Tod (1740) zu einem Herrscher, der Preußens Größe und Ruhm politisch und militärisch mehrte und ein väterliches Prinzip instaurierte, welches dem Friedrich Wilhelms nicht nur in nichts nachstand, sondern es sogar noch überbot. Der Autor zeichnet die erstaunliche Verwandlung Friedrichs, in die Geschichte als »der Große« eingegangen, detailliert nach und analysiert sie sowohl unter psychodynamischen wie identitätstheoretischen Vorzeichen, wobei er zu dem Schluß gelangt, daß Friedrichs Ich-Stärke - Voraussetzung von Größe - ihn davor bewahrte, an seinem Identitätskonflikt zu zerbrechen.