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»Mir hat … nie das Weib im Leben den Kameraden, den Freund ersetzt«, so Sigmund Freud in einem Brief aus dem Jahre 1901 an Wilhelm Fließ. Er schrieb dies zu einer Zeit, als ihre langjährige Vertrautheit zu Ende ging, womit sich die Einseitigkeit dieser Sichtweise vielleicht erklären ließe. Denn daß Freud im Laufe seines Lebens und zur Erschaffung und Verbreitung seiner »Sache« keineswegs nur auf »Kameraden« bauen konnte, sondern ebenso gut, vielleicht zuverlässiger noch, auf Kameradinnen, auf seine Frauen — diesem aufregenden Thema widmen sich die Autoren des vorliegenden Buches.
Im Zuge einer in den letzten 20 Jahren sich abzeichnenden Historisierung der Psychoanalyse ist eine Vielzahl biographischer Texte über Sigmund Freud und sein Werk publiziert worden. Das in London lebende Autorenduo, die Schriftstellerin und Literaturdozentin Lisa Appignanesi und der in Cambridge lehrende Freud-Forscher John Forrester, legen nun ein weiteres biographisches Werk vor. Sie unternehmen den verdienstvollen Versuch, nicht, wie bisher im Zentrum der Freudforschung, die Welt der Männer, Freuds Lehrer, seine komplizierten Beziehungen zu Schülern, Freunden und Kollegen, sondern konsequent die Frauen im Leben des Schöpfers der Psychoanalyse zu erforschen, »Frauen in seinem Bannkreis« (S. 7).
Gruppiert um die Person Sigmund Freud zeichnen Appignanesi und Forrester gleichzeitig ein Bild des bürgerlichen Familienlebens im Wien des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Ganz im Gegensatz zu heute gab es in den Anfängen der Psychoanalyse zwischen Privat und Arbeit keine starre Grenze, Analysanden gingen im Hause Freuds ein und aus, zwischen freundschaftlicher und analytischer Beziehung wurde nicht unterschieden. Da außerdem vielen der in diesem Buch versammelten Frauen eine Kurzbiographie vorangestellt ist, komplettiert sich das Bild der wechselseitigen sozialen Bezüge und Verbindungen.
Erfreulich ist, daß der Autorin und dem Autor meistenteils die schwierige Gratwanderung gelingt, mit Finger