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Dies ist ein lesenswertes Buch unter mehreren Gesichtspunkten: Es entsteht ein lebendiges Bild der Wiener psychoanalytisch-pädagogischen»Szene« der späten 20er Jahre, zugleich wird eine anrührend zarte, verletzliche Seite Anna Freuds sichtbar: vorsichtige Versuche, sich der Freundin zu öffnen, eigene Wünsche zu äußern, die Angst davor und die schnellen Bemühungen um Selbstzurücknahme, zum Leben über das Mitfühlen der Empfindungen und Probleme anderer.
Den Kern des Bandes bilden zwischen 1925 und 1932 verfaßte Briefe von Anna Freud an Eva Rosenfeld, die in Wien eine hauswirtschaftlich orientierte Erziehungseinrichtung für junge Frauen unterhielt, darüber Anna Freud kennenlernte und zu einer engen Freundin dieser Zeit wurde. Da beide Frauen in Wien wohnten, bezieht sich der Briefwechsel auf Zeiten der Trennung: auf Ferien oder Aufenthalte einer der beiden in Ernst Simmels psychoanalytischem Sanatorium in Berlin-Tegel — Anna Freud, um ihren Vater zur kieferchirurgischen Behandlung zu begleiten, Eva Rosenfeld, um die Hauswirtschaft des Sanatoriums zu verwalten und schließlich bei der Auflösung zu helfen. Anna Freud ist während des Briefwechsels zwischen 30 und 37 Jahre alt, Eva Rosenfeld drei Jahre älter. Erhalten sind nur die Briefe der einen Seite — der Anna Freuds. Sichtbar wird das Bild einer jungen Frau, die stark über das Dasein für andere — für den Vater, für die Freundin — lebt, sich zum Teil an deren Stelle setzt, »in allen ein Stückchen drin (ist), ein wirkliches »Ich« gibt es noch nicht« (S. 199), die kaum ein Recht auf ein eigenes Leben zu haben scheint und doch voller Sehnsucht nach wirklichem Gesehenwerden, nach einem Verständnis »zwischen den Zeilen« (S. 119), des »Unausgesprochenen« (S. 132) ist. »Aber dabei will ich nicht, daß Du fortgehst. Ich habe einfach Angst, ohne Dich zu sein … Aber Du kannst auch nicht hier bleiben und mich beschützen und außerdem handelt es sich ja auch gar nicht um mich« (S. 171) — hier wird die Bewegung vom Wunsch über die Ü