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Der Titel dieses Buches ist verheißungsvoll, verspricht er doch eine Art Sozialgeschichte des Liebesdiskurses (»Umgang des Menschen«), vielleicht in der Art, wie Michel Foucault sie in bezug auf die Sexualität in den drei Bänden von Sexualität und Wahrheit vorgelegt hat. Daß es sich hierbei um eine psychoanalytische Studie zu diesem Thema handeln könnte, mag nur dem bewußt sein, der den Autor des Buches, den Psychoanalytiker Martin Bergmann kennt: Er hat nicht nur mehrere Artikel zur Liebe vorgelegt, sondern ist — zusammen mit Judith Kestenberg (u. a.) als Herausgeber des bahnbrechenden Sammelbandes zu Kinder der Opfer — Kinder der Täter. Psychoanalyse und Holocaust in Erscheinung getreten, der erst vor kurzem auf deutsch erschienen ist (Frankfurt, S. Fischer, 1995).
In der Tat sind — wie man dem Vorwort entnehmen kann — die psychoanalytical community oder auch an Psychoanalyse interessierte Laien Hauptadressaten dieser Studie: Sie soll darlegen, »was die Psychoanalyse zum Thema Liebe beigetragen hat« (S. 11). Um aber gleichsam die universale Gültigkeit der Freudschen Theorien zu beweisen, tut der Autor dies in einem Rekurs auf die gesamte abendländische Tradition, deren zwangsläufigen und krönenden Gipfel die Psychoanalyse bilde. Dieses Faktum rechtfertige es, »klassische Texte und Assoziationen von Analysanden immer wieder« nebeneinanderzustellen, denn zum einen gebe es »eine unbewußte Kontinuität zwischen den Mythen, Sagen und philosophischen Theorien der Antike einerseits und den Träumen und Neurosen von Männern und Frauen unseres modernen Zeitalters andererseits«, zum anderen aber sei Freuds Auseinandersetzung mit der gesamten Vorwelt »die umfassendste und intensivste unseres Jahrhunderts gewesen.«
Dieser Vorgabe entspricht die Zweiteilung des Buches: Teil I (S. 17-198) bietet eine kursorische Lektüre literarischer Texte zur Liebe, vornehmlich