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Au commencement était l'amour (Im Anfang war die Liebe) ist der Titel eines kleinen Buches von Julia Kristeva. War also im Anfang die Liebe und nicht das Wort, wie uns die Bibel sagt? Oder vielleicht ein Liebesgespräch? Kristeva charakterisiert das analytische Gespräch als eine neue Art von Liebesgeschichte, als den spezifischen Beitrag unserer modernen Zivilisation zur Geschichte der Liebe und der Liebesdiskurse, denn die analytische Liebesbeziehung ist der soziale Ort, an dem im Gespräch über Verletzungen und Schmerz neue Möglichkeiten, zu leben und zu lieben, eröffnet werden. Aus dieser Konstellation entwickelt Kristeva eine neue Konzeption der Sprache. Das sprachliche Zeichen hat in der Signifikant/Signifikat-Relation nicht nur referentielle Bedeutung, es impliziert immer auch ein affektives Moment, das Semiotische. Dieses bezeichnet die Erfahrung des mütterlichen Körpers vor dem Spiegelstadium und dem Ödipuskomplex, die den Eintritt ins Symbolische, unter das Gesetz des Vaters bedeuten. Das Semiotische ist vorsprachlich, aber durch das Begehren der Mutter sind der Vater und damit das Symbolische indirekt anwesend. Deshalb kann Kristeva sagen, das Semiotische sei reglementiert. Es ist zwar im Vergleich zum Symbolischen unstrukturiert und ungeregelt, doch die indirekte »Anwesenheit« des Vaters führt zu einer anderen Art von Reglementierung, zu einer Form der Bereitschaft für das väterliche Gesetz und die Sprache.
Das Semiotische ist also keine Einheit, sondern heterogen, von gegensätzlichen Kräften geprägt: dem Sexual-und dem Todestrieb. Eine permanente Aggressivität trennt und zerschneidet es und ermöglicht in dieser Trennung die Subjektkonstitution, die Abgrenzung von Objekten und den Spracherwerb. Dieser Prozeß ist nicht auf das Spiegelstadium beschränkt, sondern begleitet das »Subjekt-im-Prozeß« während seines ganzen Lebens. Die zerstörerische Kraft der im Semiotischen aktiven Triebe erweist sich als