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Dieses kleine wie schwerwiegende Buch ist eine schreckliche Lektüre. Eine Herausforderung und Zumutung an das noch Erträgliche, löst der Text ständig Impulse aus, ihn wegzulegen und sich die beschriebenen Widerwärtigkeiten im lesenden Nachvollzug nicht länger antun zu wollen. Trotzdem und gerade deshalb gehört es zur Pflichtlektüre für jene, die Psychoanalyse und/oder Psychotherapie praktizieren oder lernen. Denn die individuellen Reaktionen des Lesers entsprechen typischen Gegenübertragungsgefühlen bei der Detail-Schilderung von Mißbrauchsszenen durch Inzest-Patientinnen und in psychotherapeutischen Behandlungen sexuell mißbrauchter Patientinnen. Zudem spiegeln sie treffsicher die Haltung mancher Institute und Fachgesellschaften zu diesem Thema wider, nämlich: am liebsten nichts hören, nichts sehen, um sich nicht mit solchen »seltenen Auswüchsen« — häufig zu hörende Verharmlosungsstrategie — auseinandersetzen zu müssen.
Nach Tagebuch einer heimlichen Symmetrie. Sabina Spielrein zwischen Jung und Freud, einem historischen, aufrüttelnd entidealisierenden Text und Anonyma. Verführung auf der Couch, der prosaischen Aufarbeitung einer jahrelang sich hinschleppenden, lebensgefährdenden analytischen Liaison in Frankreich (Lehranalysandin-Lehranalytiker), publiziert der Kore Verlag nun den dritten Teil einer aufschrek-kenden Reihe: Schreie lautlos. Mißbraucht in Therapien, der nüchternsachliche Versuch einer Selbstbefreiung zweier Frauen, sich sado-masochistische Ausbeutung und den Seelenmord (Shengold) durch ihren ärztlichen Psychotherapeuten von der Seele zu sprechen und zu schreiben.
Das Tonband-Protokoll der einen Patientin und der Brief der anderen an ihren Anwalt zum Verlauf der Geschehnisse setzen gerade durch ihre distanziert-sensationslose