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Der Herausgeber David Meghnagi, assoziiertes Mitglied der italienischen psychoanalytischen Gesellschaft und langjähriger Forscher zu Fragen der Soziologie, Geschichte und Literatur des Judentums an der Universität Rom, hat in diesem (aus einem Seminar 1989 in Zusammenarbeit mit dem Sigmund-Freud-Zentrum der Universität in Jerusalem hervorgegangen) Band mehrere Aufsätze vereinigt, die die nach wie vor »unterbelichteten« Zusammenhänge zwischen Psychoanalyse und Judentum der Fachöffentlichkeit präsentieren. Bekanntlich durchzieht Freuds Schriften und Briefe zu dieser Frage eine merkwürdige Uneindeutigkeit: Auf der einen Seite sucht Freud ganz bewußt jeden Hinweis zu vermeiden, der die Psychoanalyse als »jüdisch nationale Angelegenheit« verstehen und dergestalt diskriminieren ließe; andererseits stößt manan allen Ecken und Enden auf die innere Auseinandersetzung Freuds mit seiner jüdischen Herkunft und kann der Frage nicht ausweichen, inwieweit die Selbstanalyse Freuds, seine Tradition und Identität konstitutiv für die Psychoanalyse ist. Die Vorstellung, die Psychoanalyse habe ihre Wurzeln im Judentum, ist in der Tat umstritten und oft diskutiert worden; kein Wunder, denn sie beunruhig. Die Frage nach Ursprung und Herkunft stößt uns immer auch auf die Frage nach Zugehörigkeit und Fremdsein. Aber wie die Frage nach der Verwurzelung der Psychoanalyse im Judentum beantwortet werden mag: Man kommt nicht an der Tatsache vorbei, daß das Reden über die Psychoanalyse immer schon eine Übertragung auf die Psychoanalyse als eine im Unbewußten repräsentierte jüdische Denkform darstellt. Daher erscheint eine Diskussion um so wichtiger, die den Zusammenhängen nachgeht, inwieweit die Psychoanalyse als partikulare »jüdisch nationale Angelegenheit« zugleich Universelles reflektiert.
In einem anregenden Vorwort von Mortimer Ostow wird der Leser auf diese Fragestellung quasi eingestimmt und z. B. direkt auf einen Zusammenhang hingewiesen zwischen den zentralen Fragen der Psychoanalyse - Ge