You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In der Erzählung »Seltsame Erlebnisse des Arthur Gordon Pym« läßt Edgar Allan Poe seinen literarischen Helden nach einer überstandenen Lebensgefahr über die affektiven Wirkungen katastrophaler Erlebnisse nachdenken: »Sooft uns etwas zustößt, das uns Schaden oder Gefahr bringt, können wir unmöglich, auch nicht aus den eindeutigsten Tatsachen, sichere Schlüsse für oder gegen das Erlebte ziehen. Man könnte doch nun annehmen, eine Katastrophe hätte meine aufkeimende Leidenschaft für die See gründlich abkühlen müssen. Doch ganz im Gegenteil…«
Indifferenz gegenüber Katastrophen, Grauen mit sucht- und sogartigen Folgen, Angst und Schrecken, welche in Akte der Lust umgedeutet werden, all das sind die düsteren Themen der Analyse, die Ulrike Brunotte zu Edgar Allan Poe unternommen hat. Ihre Studien haben sich in dem Buch Hinab in den Maelstrom - Das Mysterium der Katastrophe im Werk Edgar Allan Poes materialisiert.
Den Leser erwartet eine Entdeckungsfahrt: Poe-Interpretationen und theoretische Exkurse inspirieren dazu, Poe anders und neu zu lesen und die gewohnten Angstbalancierungen zu überdenken. Im ersten Teil ihres Buches nähert sich Brunotte auf verschiedenen Wegen der Poeschen Erzählung »The tell-tale heart«, deutsch: »Das verräterische Herz«. Es handelt sich um die berühmte Kurzgeschichte Poes, in der ein junger Mann den alten Mann, mit dem er zusammen in einer Wohnung lebt, umbringen und selbst die Leiche noch zerstückeln muß, einzig und allein aus dem Grund, weil er den Blick aus dessen verunstaltetem Auge nicht länger ertragen konnte. Am Ende der Geschichte gesteht er herbeigeeilten Polizisten die Tat. Er nimmt an, daß auch sie den Trommelwirbel des Herzschlags der verscharrten Leiche hören und erhofft sich das Ende seiner quälenden, sich nur noch akustisch äußernden Schuldgefühle durch ein Geständnis.
Diese Erzählung ist eine der am häufigsten interpretierten der Weltliteratur. Die interpretative Neugierde ist ein deutliches Indiz dafür, daß sich an den Beschäftigunge