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Hartmut Radebold ist Begründer der psychoanalytischen Altersforschung und -therapie. Das vorgelegte Buch ist sein Hauptwerk zu diesem Thema. Die Ergebnisse seiner jahrzehntelangen therapeutischen und systematischwissenschaftlichen Beschäftigung mit der analytischen Therapie Älterer sind ebenso eindrucksvoll wie überzeugend. Wer sich mit der Materie noch nicht eingehend befaßt hat, wird vermutlich davon ausgehen, daß älteren Menschen psychotherapeutisch selbstverständlich geholfen werden und daß dies sicherlich – allenfalls mit Abstrichen – auch im gebotenen Umfang stattfinden müsse. Radebold errechnet jedoch aufgrund genauer Recherchen, daß im Jahre 1988 in der gesamten damaligen Bundesrepublik »lediglich ca. 130 über 60jährige psychotherapeutisch versorgt« worden sind. Vor dem Hintergrund der Annahme, daß Psychotherapien Älterer anscheinend von allen Beteiligten verhindert werden, unternimmt Radebold zunächst eine systematische Analyse der wirksamen Widerstände. Sehr interessant sind seine Ausführungen über das individuelle und kollektive Altersstereotyp. Er konstatiert ein Überwiegen vorbewußter und unbewußter Vorstellungen über den alten Menschen mit dem Ergebnis »höchstpersönlicher Definitionen, normativer Festlegungen, spezifischer Wunschund Leitbilder des Alters, wobei letztere im Sinne einer Rationalisierung durch philosophische und religiöse Vorstellungen gestützt werden«. Damit ist eine der Grundpositionen des Buches erreicht: Es gibt keine sachlichen Gründe gegen psychotherapeutische Arbeit mit Älteren, die Widerstände resultieren aus einem Altersstereotyp, welches psychotherapeutische Behandelbarkeit ausschließt. Hierfür spielt auch die in typischer Weise zunächst »umgekehrte Übertragungskonstellation« eine Rolle: »In den anfänglichen Elternteil-Kind-Übertragungskonstellationen soll der Therapeut erneut als vermutlich (vor dem Tode) letztes und jetzt wichtigstes Kind im Lebensablauf das ersetzen und wiedergutmachen, was die eigenen Kinder nicht leisten ko