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Die Monographie Zur Auffassung der Aphasien gilt neben dem Entwurf einer Psychologie als die bedeutendste vorpsychoanalytische Schrift Freuds. Er selbst zählte sie zu seinen »wirklich guten Sachen«. Ihre Rezeptionsgeschichte ist außergewöhnlich. 1891 erschienen, wurden von 850 gedruckten Exemplaren nur 257 verkauft, der Rest eingestampft. Erst 1992 gelang es dem mit dem Freudschen Werk seit langem vertrauten S. Fischer Verlag, den Text in der vorliegenden Taschenbuchausgabe, von Paul Vogel herausgegeben, sorgfältig ediert von Ingeborg Meyer-Palmedo und von Wolfgang Leuschner vorzüglich kommentiert, wieder zugänglich zu machen. Und dies, obwohl das Buch neben den Arbeiten von Meynert, Wernicke, Lichtheim und Kußmaul als richtungweisend in der Aphasiologie und in der Psychoanalyse als eindrucksvoller Beleg für die neurophysiologische Grundorientierung Freuds eingeschätzt wird.
Der im physiologischen Labor Brückes ausgebildete Freud war ein anerkannter Neurologe mit Spezialkenntnissen auf dem Gebiet der Neuroanatomie und -pathologie. Als niedergelassener Nervenarzt hatte er mit der von Bertha Pappenheim, Breuers Patientin Anna O., später so treffend bezeichneten »talking cure« in der Behandlung von Hysterien begonnen und mit der Charcotschen Auffassung, daß die hysterischen Lähmungen durch Degenerationen des Nervensystems verursacht seien, gebrochen. Er fand heraus, daß ein entscheidender Unterschied zwischen hysterischen und organischen Lähmungen besteht, daß »bei der Hysterie Lähmungen und Anästhesien einzelner Körperteile sich so abgrenzen, wie es der allgemeinen (nicht anatomischen) Vorstellung des Menschen entspricht.« Nicht in der Anatomie oder Physiologie lag der Schlüssel zum Verständnis der Ätiologie der Hysterie, sondern in der Einsicht in die Dynamik unbewußter Vorstellungen. Deren Existenz ließ sich aber nicht lokalisationstheoretisch nach der herrschenden Doktrin der Neurologie und Neuropathologie begründen. An vergleichbare Grenzen bei dem Versuch, physiol