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Eine der faszinierendsten, begabtesten Persönlichkeiten im Kulturleben Europas der letzten hundert Jahre ist zugleich eine der Pionierinnen der Psychoanalyse, eine feinsinnige Dichterin und psychologische Schriftstellerin, deren Novellen und Romane eine wunderbare Entdeckung der Lektüre bedeuten, und ein philosophischer »Freigeist«, der die den Frauen gesetzten Schranken mutig zu zerbrechen suchte. Vielen ist sie, zu Unrecht, nur wegen ihrer Freundschaften bekannt: als Freundin Nietzsches, der in eher läppischer Weise um ihre Hand anhielt und dem seine dämonisch eifersüchtige Schwester mit ihren Intrigen dazwischenfuhr, als Freundin und Begleiterin Rilkes und als Schülerin, Vertraute und auch unter dem Ansturm des Nazismus unbeirrbar treue Freundin von Sigmund und Anna Freud - steht doch z. B. ihr stark autobiographischer Roman Ródinka. Russische Erinnerung unter der Widmung: »An Anna Freud, ihr zu erzählen von dem, was ich am tiefsten geliebt habe.«
Nach der Neu- oder Wiederausgabe einiger ihrer Hauptwerke durch Ernst Pfeiffer ist es das bedeutende Verdienst einer kleinen Gruppe von Forscherinnen in Göttingen - der Psychoanalytikerin und Psychologin Inge Weber, der Psychoanalytikerin und Ärztin Brigitte Rempp und der Literaturwissenschaftlerin Heidi Gidion -, uns das sonst kaum mehr bekannte weitere Œuvre Lou Andreas-Salomés vorzustellen.
Von ganz besonderem Wert für uns Analytiker ist die hier besprochene Herausgabe der wichtigsten psychoanalytischen Arbeiten Andreas-Salomes durch Weber und Rempp. Ich fand, im Gegensatz zu ihren eingängigen und fesselnden Novellen, die in diesem Band versammelten psychologischen Schriften schwierig zu lesen, reich an philosophischen Anklängen; sie zeigen ein eigenwilliges Durchdenken