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Die Herausgeber des Bandes weisen bereits im Klappentext auf eine vielleicht entscheidende Lücke beim bisherigen Verständnis des Schicksals Überlebender und ihrer Kinder hin: »Für die große, unerhörte Verstörung haben wir noch keine andere Sprache gefunden als die individuelle Störung.«
Dies betrifft sowohl das Selbstverständnis der Überlebenden selbst als auch das der damit professionell Befaßten. Die Wiener Psychoanalytiker und Psychotherapeuten Elisabeth Brainin, Vera Ligeti und Samy Teicher deuten dies bereits in der Titelfrage ihres Beitrages an: »Pathologie zweier Generationen oder Pathologie der Wirklichkeit?«
Wir wissen, daß die Überlebenden von Verfolgung und Lagerhaft an ihren Erfahrungen leiden und viele unter ihnen - nicht alle - somatische und psychische Schäden davongetragen haben. Lange Zeit allerdings haben Ärzte und Psychiater sich geweigert, dieses Leid zu erkennen und ihm in Rentengutachten entsprechend Rechnung zu tragen. Somatisch eindeutig auszumachende, immer wieder beobachtete Folgeschäden etwa von Lagerhaft wurden als zuwendungsrelevant anerkannt, nicht aber die vielfältigen psychischen Spannungen, die zudem häufig erst nach einer längeren Latenzzeit nach den Vernichtungserfahrungen im Nationalsozialismus auftraten. Aber, darauf machen die Wiener Autoren aufmerksam: Ob die individuelle Verarbeitung des Traumas so uniform erfolgte wie der Tod von Millionen, ist fragwürdig. Sie kritisieren: »Die Richtlinien für Hilfestellungen und Entschädigungen sind nicht die durchgemachten Leiden und Schrecknisse, sondern die Zuschreibung einer Pathologie. Das ist eine Umkehrung der Verhältnisse, die die Pathologie den Opfern zuschreibt und nicht der Wirklichkeit, die sie zu Opfern machte« (S. 39).
Nicht genau wissen wir, ob es auch in der sogenannten »zweiten Generation« nach Auschwitz spezifische Syndrome gibt, die von der Verfolgungserfahrung der Eltern herrühren. Zunächst gibt es in der Regel spezifische Gegebenheiten der familiären Situation: Von vielen V