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Norbert Bischof ist Professor für Allgemeine Psychologie und Direktor der Biomathematischen Abteilung am Psychologischen Institut der Universität Zürich. 15 Jahre lang war er wissenschaftlicher Mitarbeiter von Konrad Lorenz am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen. Er ist heute sicherlich einer der profiliertesten Vertreter einer verhaltensbiologischen Orientierung innerhalb der Humanpsychologie, und er hat nachdrücklich einen Paradigmenwechsel innerhalb der Psychologie gefordert, eine Wende, die die Strukturverwandtschaft zwischen Psychologie und Biologie anerkennt und das »galileische«, an der Physik orientierte Denken aufgibt. Er ist außerdem als recht scharfer Kritiker der Psychoanalyse in Erscheinung getreten, hat die Freudsche Lehre vom ödipalen Konflikt ein »Monstrum von Theorie« genannt (Bischof, 1985, S. 123) und die analytische Methode der Traumdeutung als »Freistilverfahren« (Bischof, 1985, S. 128) gekennzeichnet. Von daher mag es vielleicht erstaunen, wenn sein jüngstes Buch den Lesern der Psyche zur Lektüre empfohlen wird, zumal, da auch noch der »Gegenstand« des Buches, die Person Konrad Lorenz, aus der Perspektive der Psychoanalyse eher eine Antifigur ist. Dennoch behaupte ich, daß dieses Buch nicht nur ein für die Psychoanalyse eventuell relevantes Werk aus einer Nachbardisziplin darstellt, sondern daß es, wenn man Psychoanalyse grundsätzlich als das Anliegen versteht, die psychische Struktur, die innere Konflikthaftigkeit eines Menschen aufzuklären und in ihren unbewußten Dimensionen und ihrer Genese zu verstehen, ein genuin psychoanalytisches Buch ist, auch wenn darin explizit auf Freud und die psychoanalytische Tradition überhaupt nicht Bezug genommen wird.
Bischof nennt sein Buch im Untertitel Ein Psychogramm von Konrad Lorenz. Es geht ihm jedoch nicht nur um eine Analyse der Person Konrad Lorenz, sondern zugleich auch und zentral um die Frage, wie das Werk des Nobelpreisträgers von dieser Persönlichkeitsstruktur und den damit