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Würkers Buch, das von konkreten Interpretationen ausgeht, deren inhaltliche Ergebnisse so diskutiert werden wie theoretisch-methodologische Erwägungen, ist ein Beispiel für die von
Alfred Lorenzer entwickelte Methode der tiefenhermeneutischen Kulturanalyse.
Drei Erzählungen E. T. A. Hoffmanns stehen im Mittelpunkt des ersten Buchteils: »Rat Krespel«, »Das Fräulein von Scuderi« und »Der Sandmann«. Von seinen Assoziationen ausgehend, begibt sich Würker auf die Suche nach dem latenten Sinn des Textes, indem er die ihn irritierenden Szenen aufgreift und sie zueinander in der Absicht in Beziehung setzt, ihren Strukturzusammenhang zu erhellen.
Um dies am Beispiel der »Sandmann«-Interpretation zu veranschaulichen: Aus einer Sammlung von Irritationen und dem konkreten Nachvollzug der Handlungsdramatik heraus konturiert Würker die strukturelle Qualität von fünf zentralen Szenen: Erstens die der Belauschungsszene in Nathanaels Kindheitserzählung; zweitens die Szenen vom Tod des Vaters; drittens die in einem Gedicht dargestellte Hochzeitsszene mit Clara, in die Coppelius zerstörerisch eingreift; viertens die kämpferische Auseinandersetzung um die Puppe Alimpia und fünftens schließlich die Szene auf dem Rathausturm, in der Nathanael, vom Wahnsinn gepackt, Clara vom Turm hinabschleudern möchte, um, als dies mißlingt, sich selbst in den Tod zu stürzen. Während Würker die ersten (Kindheits-)Szenen eher konventionell als »Urszene« deutet, entfaltet er durch die Hinzunahme der anderen Szenen die Bedeutung dieser Urszene als fundamentale Verunsicherung der Geschlechtsidentität:
»Weil die Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau im Liebesakt in die Destruktion der Frau umschlägt, ist sie … unmöglich. Mehr noch: So wie die Frau in der Ehe das leblose Objekt ist, so ist der ganze Text nur von Puppen-Frauen bevölkert, von leblosen Spiegeln männlicher Phantasie« (S. 126). Während sich Würker im Rahmen seiner konkreten Textanalyse darum bemüht, die sich im Text entfaltende Dynamik zur Sprache