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Während Freud noch davon ausgehen konnte, daß das Moralische sich von selbst verstehe, problematisiert die heutige Psychoanalyse den Stellenwert von moralischen Haltungen und Werten als integralen Bestandteil jeglicher Erfahrung und Interaktion. Anhand von Beispielen beschreiben die Autoren, wie Werte und moralische Haltungen sich in den von Lichtenberg beschriebenen motivationalen Systemen äußern, wobei insbesondere die im zweiten Lebensjahr auftauchende altruistische Orientierung und das Erleben von Schuld und/oder Scham ausführlich dargelegt werden. Es zeigt sich, daß bei der Ausformung von moralischen Haltungen und Werten weniger die Eltern, sondern vor allem die Altersund Geschwistergruppen und schließlich auch Geschlechtsunterschiede eine entscheidende Rolle spielen. Abschließend demonstrieren die Autoren anhand zweier Fallvignetten, wie Wert- und Moralvorstellungen von Analytiker und Analysand die analytische Interaktion mitbestimmen. Sie empfehlen eine Technik des »Tragens von Attributionen« seitens des Analytikers, wodurch eine Exploration unterschwelliger Moral- und Wertvorstellungen beider Interaktionspartner möglich wird.