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Vorbemerkung: Das vor zwei Jahren erschienene Buch von Annemarie Dührssen hat auf beklemmende Weise veranschaulicht, daß ein (wie immer großer oder kleiner) Teil der deutschen Psychoanalytiker nach wie vor bereit ist, die Geschichte der Psychoanalyse, insbesondere die zwischen 1933 und 1945, so umzuschreiben, daß die Ausgrenzung der jüdischen Analytiker aus der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft und ihre Ausbürgerung und Vertreibung aus Deutschland — wofern sie nicht umgebracht wurden — im nachhinein als Erfolgsgeschichte der Psychotherapie gelesen werden können. Vielleicht war sie das auch wirklich; einige wohlwollende bzw. verharmlosende Rezensionen des Dührssen-Buches lassen jedenfalls darauf schließen. Obwohl schon vor mehr als einem Jahr in der Psyche eine überaus deutliche Stellungnahme (von Ulrich SchultzVenrath in Heft 4/1995, S. 392-403) erschienen ist, kommen wir ein weiteres Mal auf den Skandalfall zurück, weil offenkundig scheint, daß die Geschichte, hier für die Mitglieder der DPG (deren ehemalige Vorsitzende und heutiges Ehrenmitglied Dührssen ist), noch längst nicht ausgestanden ist. (H.-M. L.)
Das 1994 erschienene Buch von A. Dührssen Ein Jahrhundert Psychoanalytische Bewegung in Deutschland. Die Psychotherapie unter dem Einfluß Freuds hat in der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft, deren Ehrenmitglied und ehemalige Vorsitzende die Autorin ist, eine erneute wissenschaftliche und politische Auseinandersetzung über die Psychoanalyse und ihre Geschichte hervorgerufen. Die Provokanz der Denktraditionen, in denen Dührssen sich bewegt, die historiographischen Verzerrungen und die Psychoanalysefeindlichkeit führten zu heftigen Reaktionen unter den Mitgliedern. Die Heftigkeit der Auseinandersetzungen bestätigt das, was Dührssen verleugnet: Die Gegenwärtigkeit der Folgen des Nationalsozialismus auf die Psychoanalyse und die psychoanalytische Identität, die immer wieder neue Auseinandersetzungen mit unserer Geschichte erfordert. Das Buch ist zum ei