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Der Hofheimer Psychoanalytiker Ludwig Haesler legt mit seinem Buch Psychoanalyse. Therapeutische Methode und Wissenschaft vom Menschen eine lesenswerte Enzyklopädie psychoanalytischen Wissens vor. Er vermittelt, sprachlich prägnant und mit sicherem stilistischen Gespür, einen umfassenden Überblick über die Psychoanalyse und ihre Anwendungen und verbindet psychoanalytische Erkenntnisse mit den Ergebnissen aus den Nachbardisziplinen, insbesondere aus den Geistes- und Kulturwissenschaften.
Das Buch ist aus einer ganzjährigen Vorlesungsreihe über »Psychoanalyse und menschliche Verständigung« im Rahmen des studium generale in der Klinik für Psychiatrie und Neurologie »Hans Berger« der Friedrich-Schiller Universität in Jena hervorgegangen. Die ersten 13 Vorlesungen befassen sich mit den Grundlagen der psychoanalytischen Theorie und Praxis. Daran schließen sich Beiträge über die Psychoanalyse der künstlerischen Kreativität, Literatur, bildenden Kunst, Musik, Märchen und Mythen an. Religionskritische sowie kultur-und gesellschaftstheoretische Überlegungen mit hochinteressanten Thesen zum Antisemitismus und Faschismus schließen den Band ab.
Das psychoanalytische Verfahren rekonstruiert Haesler diskurstheoretisch. In Anschluß an die Mahonysche Differenzierung der fünf Grundformen des Diskurses unterscheidet er den psychoanalytischen Diskurs vom referentiellen, rhetorischen, expressiven, ästhetischen und dialektischen als herrschaftsfreien deutenden Diskurs. Dieser entwickele sich als ein Gespräch zwischen Gleichen in einer asymmetrischen Beziehung, die die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigtheit beider Partner nicht berühre. Entschieden wendet sich Haesler gegen eine intrusiv-empathische Haltung