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Mal d'Archive. Mit dem ihm eigenen Spürsinn für idiomatische Wendungen des Französischen hat Derrida seiner jüngsten Schrift einen Titel gegeben, der seinen Übersetzern wohl einiges Kopfzerbrechen bereiten wird. Im Wort »mal« klingen ganz verschiedene Bedeutungen an: das Böse, der Schmerz, die Krankheit, die Mühe, aber auch der Wunsch und die Sehnsucht, wenn wir an die Wendung »mal du pays« (Heimweh) denken. Und der Genitiv ist wie immer bei Derrida sowohl objektiv als auch subjektiv zu hören: das Leiden am Archiv, der Wunsch nach einem Archiv, das Böse des Archivs. In der Vielfalt dieses Assoziationsspektrums durchzieht die idiomatische Wendung einen 1994 im Freud Museum in London gehaltenen Vortrag.
Handelt es sich beim vorliegenden Buch um eine im klassischen Sinn in einer Bibliothek archivierbare Schrift? Betrachten wir die Gestalt: Den Anfang macht eine knappe Darstellung der Etymologie des Wortes »Archiv«, in der Derrida die verschiedenen Bereiche anspricht, welche im folgenden vertieft werden, insbesondere der Gedanke, die Psychoanalyse sei eine Wissenschaft des Archivs, welche die psychischen Prozesse zwischen Bewußtem, Vorbewußtem und Unbewußtem, die Mechanismen von Verdrängung, Verwerfung und Verdichtung, die Arbeit der Entzifferung des scheinbar Verschwundenen in einer Theorie zu archivieren sucht. Es geht aber auch um die Archivierung der Psychoanalyse als institutionelle und klinische Praxis durch die wissenschaftliche Forschung - Derrida wird sich eingehend mit der Schrift Freuds Moses. Endliches und unendliches Judentum von Yosef Hayim Yerushalmi befassen.
Diesem ersten Abschnitt ohne Titel folgt ein Textstück mit der Überschrift »Exergue« (Motto), der nächste Teil trägt den Titel »Preambule« (Vorrede), dann findet sich ein Abschnitt, der längste des »Buches«, überschrieben mit »Avant-Propos« (Vorwort). Nach all diesen Einführungen erwarten wir endlich das Hauptstück, doch es scheint zwischen den verschiedenen