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Kein Thema, das mit der Eingliederung der DDR in die Bundesrepublik zu tun hat, findet mehr Aufmerksamkeit als die Stasi und ihr System Informeller Mitarbeiter. Die Leidenschaften gehen dabei hoch. Ihnen setzte die Tagung in Halle das Programm einer »Distanzierung durch Historisierung« entgegen. Sie verfolgte das Thema der Denunziation vom 11. bis 20. Jahrhundert und war als ein interdisziplinäres Projekt angelegt, das Historiker, Juristen und Psychoanalytiker zusammenbrachte. Dem entsprach der Veranstalterkreis: ein psychoanalytisch geschulter Strafrechtler und Rechtshistoriker (Günter Jerouschek, Halle), eine psychohistorisch orientierte Mediävistin (Hedwig Röckelein, Hamburg) und eine Sozialhistorikerin mit Schwerpunkt Drittes Reich (Inge Marßolek, Bremen). Ich kann die einzelnen Beiträge nur mit wenigen Sätzen charakterisieren und verweise ansonsten auf den Tagungsband, der bei edition diskord (Tübingen) herauskommen soll. Daß eine spürbare Spannung zwischen ost- und westdeutschen Teilnehmern bestand, sei zumindest erwähnt.
Am Anfang die Kirche: Lothar Kolmer (Salzburg) behandelte die denunciatio canonica im 11.-13. Jahrhundert - ein Disziplinarverfahren, das als Werkzeug im Kampf um die Kirchenreform, die rechte Lehre und den rechten Glauben diente. »Denunziation« hat hier keinen negativen Beiklang; es handelt sich um eine »Anzeige« von Klerikern gegen Kleriker. Mit ihrer Hilfe konnten Verfehlungen mächtiger Bischöfe (Ämterkauf etc.) beim Papst angeprangert werden. Im Fall von Lehrstreitigkeiten standen auch universitäre Positionen und Kolleggelder auf dem Spiel.
Über Ketzerprozesse des 13. und beginnenden 14. Jahrhunderts berichtete Amalie Fößel (Bayreuth). Frühe Inquisitoren erzeugten ein Klima der Angst und gegenseitigen Bezichtigung, da ein Beschuldigter durch die Angabe von Mittätern dem Feuertod entgehen konnte. Aus Protokollen der Verfahren gegen die Katharer von Montaillou wird ersichtlich, wie das Oberhaupt der mächtigsten Familie am Ort - der Pfarrer, d