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Freuds Kürzeste Chronik hebt an mit dem Eintrag »im Nobelpreis übergangen« (31. Oktober 1929) und endet mit der Bemerkung »Kriegspanik« (25. August 1939, eine Woche vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, rund vier Wochen vor seinem Tod). Zwischen diesen Ereignissen und Daten spannt sich der letzte Lebensabschnitt eines Menschen, der sich, obgleich zu seinen Lebzeiten jeglicher Preisgabe seiner Privatsphäre abhold, in seinem postum veröffentlichten Tagebuch von einer höchst privaten Seite — als Patient seiner Ärzte, als Familienvater, als Sammler kostbarer Antiken — zeigt. Die Enkelin Sophie, Tochter von Freuds Sohn Martin, hat auf die Ironie des Umstands verwiesen, daß Freuds hartnäckiges Bestreben, seine Intimsphäre vor den neugierigen Augen der Mit- und Nachwelt zu schützen, zum genauen Gegenteil geführt hat: Dank seiner eifrigen, und manchmal übereifrigen, Biographen, die nicht immer nur lautere Absichten im Schilde führen, wissen wir heute mehr über Freuds persönliche Lebensumstände, als einem manchmal lieb sein kann. Indessen sei betont, daß Michael Molnars penible und kenntnisreiche Annotierungen der Kürzesten Chronik frei von dem Verdacht sind, voyeuristi-sche Gelüste zu befriedigen.
Vier Jahre nach der englischen Ausgabe, die Sophie Freud in dieser Zeitschrift eingehend gewürdigt hat (vgl. Psyche, 49/1995, S. 672ff.), liegt nun, in opulentester Ausstattung, eine deutsche Version vor. Obwohl beide Editionen in Anlage und Aufbau — Faksimile der Handschrift mit Um-schrift, das annotierte Tagebuch, Anhang — weitgehend identisch sind, weist die deutsche Ausgabe, was Les-barkeit und Benutzerfreundlichkeit angeht, doch gewisse Vorzüge auf. Abgesehen davon, daß sie in der typographischen Gestaltung generöser, gleichsam heller wirkt als das englische Original und daß die Papierqualität höher ist (was wiederum der Qualität der Abbildungen zugute kommt), ist der umfangreiche Anmerkungsteil, den Molnar in der englischen Ausgabe an den Schluß verbannt hat, in der Stroemfeld