You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Marie Jahoda, 1907 in Wien geboren, erlebte 1987, was nur den allerwenig-sten SozialforscherInnen vergönnt ist: die Verfilmung eines ihrer wissenschaftlichen Werke. Das »Drehbuch« indessen, ihre Studie über Die Arbeitslosen von Marienthal, war bereits 1933 erschienen. Hierbei handelt es sich um eine Untersuchung der Wirkungen schlagartiger Erwerbslosigkeit, von der 1930 fast die gesamte Bevölkerung eines Dorfs in der Nähe von Wien betroffen war.
So wenig es die heutige wissenschaftliche Diskussion nahezulegen scheint, eine »Bibliothek sozialwissenschaftlicher Emigranten« einzurichten, so einsichtig sind die Argumente des Herausgebers Christian Fleck. In seiner ausführlichen Einleitung (S. 7-47) stellt er die wechselvolle Biografie der jüdischen Sozialpsychologin dar. Er beschreibt Jahodas Arbeit zunächst im britischen, dann amerikanischen Exil, ihre Assistenz bei Horkheimer, ihre Rückkehr nach England in den sechziger Jahren und die Gründung des sozialpsychologischen Lehrstuhls in Sussex, wo sie 1973 auch emeritiert wurde. Verknüpft wird dies mit einem Überblick über die Entfaltung der zentralen Forschungsfelder Jahodas: Arbeitslosigkeit, Rassismus/Antisemitismus und Konformismus.
Sie bilden auch den Inhalt der in vier Kapiteln zusammengefaßten Aufsätze, die zwischen 1938 und 1989 erschienen und in der Regel relativ schwer zu-gänglich sind. Hinzu kommen drei bislang unveröffentlichte, darunter zwei autobiografische Texte. Sieht man sich die im Anhang dokumentierte Auswahlbibliografie an, erweist sich die Entscheidung des erfahrenen Jahoda-Herausgebers als sinnvoll. Sie ist getragen von der Rücksicht auf die Publikationssituation, vom Willen, die wissenschaftliche Entwicklung Jahodas nachzuzeichnen, und vom wissenschaftssoziologischen Interesse an den Wirkungen erzwungener Emigration auf die Forschung. Schließlich wird all das überwölbt von einem vielleicht als aktuell wissenschaftspolitisch zu be-zeichnenden Bedürfnis des Herausgebers. Dazu gehört zum einen die Bewahr