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Der Autor versteht sein Buch als das ehrgeizige Unterfangen, eine Geschichte
der neuzeitlichen Identität zu artikulieren, d.h. etwas weitgehend Unformuliertes, das uns dennoch prägt, ohne daß es uns meistens zu Bewußtsein käme, in differenzierter Form bewußt zu machen. Das jeweils unterschiedlich verstandene und sich verstehende Selbst steht dabei in bezug zu ebenfalls wechselnden Vorstellungen von dem, was »gut« ist, was etwa das »gute Leben« sei, d.h. in einem weiten Sinn, welche Moralgedanken oft implizit und verborgen als beherrschende entdeckt werden können. Es leuchtet ein, daß frühere theistische Zeiten mehr oder weniger selbstverständlich anerkannte Hintergrundoder Rahmenvorstellungen hatten, die über mannigfache Abwandlungen und Schicksale säkularisiert wurden, bis es zu der modernen agnostisch-atheisti-schen Auffassung kam, die glaubt, auf solche Hintergrundannahmen über spirituelle Moralquellen ganz verzichten zu können, sogar aus moralischen Gründen der Aufrichtigkeit darauf verzichten zu müssen und dem Sinnlosen mannhaft standzuhalten. Alle diese vom Autor subtil nachvollzogenen Schritte finden sich — als moderne Identität — gleichsam in einem »Paket« voller nicht zu verleugnender Konflikte, das wir mit uns schleppen, nicht nur als Gegenstand der Betrachtung, sondern an bestimmten Punkten auch als unter den Nägeln brennende, höchst praktische, auch (z. B. um-welt-)politische Probleme, die unter großen Gefahren Lösungen fordern.
Ein für das Buch zentrales Thema ist dabei der moderne szientistische, empirisch-rationalistische Naturalismus. Es besteht kein Zweifel, daß Quellen der Moral bereits in stammesge-schichtlichen Verhaltensmustern lie-gen, es erscheint aber als verkürzt und verfehlt, die Moral ausschließlich darauf zu begründen. Die Natur wird unter dem Einfluß der wissenschaftlichen Revolution objektiviert, d.h. ra-tional-»desengagiert« betrachtet, das alte Ideal des Erfassens der kosmischen Ordnung durch Reflexion gilt als Irrweg, als anmaßender